USA: NASA‑Experiment zur Sehschärfe von Astronauten
NASA führte 1965 und 1966 während der bemannten Gemini‑V‑ und Gemini‑VII‑Missionen Experimente durch, um zu prüfen, welche Erdmerkmale aus einer Höhe von rund 160 Kilometern erkennbar sind.
Hintergrund
Frühere Aussagen von Mercury‑Astronauten, insbesondere L. Gordon Cooper Jr., dass sie kleine Objekte wie Fahrzeuge oder Häuser von der Umlaufbahn aus sehen konnten, stießen bei Forschern auf Skepsis. Einige Experten vermuteten, dass die Sehschärfe bei 20/20‑Vision nicht ausreiche, um Details unter 150 Fuß zu erkennen.
Versuchsaufbau
Die Tests bestanden aus zwei Teilen: Ein binokulares Gerät zeigte Rechtecke unterschiedlicher Größe und Kontrast, deren Orientierung die Astronauten bestimmen sollten. Zusätzlich wurden großformatige Erdoberflächen‑Charts („Eye‑Q“) mit weißen Rechtecken von 150 bis 600 Fuß Länge von Dow Chemical an zwei Standorten – Laredo, Texas, und Carnarvon, Australien – angelegt.
Durchführung
Astronauten von Gemini V (Gordon Cooper Jr. und Pete Conrad) sowie Gemini VII (Frank Borman, Jim Lovell) beobachteten die Charts aus dem Orbit. Wolken, Streulicht durch das Fenster und die jeweilige Flugbahn beeinflussten die Sicht, doch in mehreren Umläufen konnten sie die Orientierung der Rechtecke korrekt bestimmen.
Ergebnisse
Die Astronauten identifizierten nicht nur die Ausrichtung der „Eye‑Q“-Rechtecke, sondern sahen auch Straßen und Schiffe mit Heckwellen. Die binokularen Tests zeigten, dass die Sehschärfe während der bis zu zwei‑wöchigen Missionen nicht nachließ.
Bedeutung für die Erdbeobachtung
Die Bestätigung, dass das menschliche Auge aus niedriger Erdumlaufbahn Details erfassen kann, motivierte die Entwicklung neuer Erdbeobachtungsinstrumente. Das daraus entstandene Earth Resources Technology Satellite (später Landsat 1) wurde 1972 gestartet und lieferte Daten für Landwirtschaft, Geologie, Katastrophenmonitoring und Ozeanforschung.
Langzeitfolgen
Seit den Gemini‑Experimenten beobachtet NASA die Erde kontinuierlich von Raumfahrzeugen, Flugzeugen und Bodenstationen, um aktuelle Umwelt‑ und Ressourcenkonflikte zu adressieren. Neuere Studien belegen, dass etwa 70 % der Astronauten während längerer Flüge ein neuro‑okuläres Syndrom (SANS) entwickeln, was die Relevanz von Sehschärfetests für zukünftige Missionen unterstreicht.
Dieser Bericht basiert auf Informationen von NASA, lizenziert unter Public Domain (U.S. Government Work).
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