Forscher haben mit einer neu entwickelten Methode das untere Gestein unter dem Grönland‑Eisschild kartiert und dabei ein weit verzweigtes Talnetz entdeckt, das bisher unbekannt war. Die Analyse basiert auf Satellitendaten, die feine Unebenheiten der Eisoberfläche erfassen, und liefert damit die bislang detaillierteste Ansicht des subglazialen Geländes.
Methode der Eisflussstörung
Die Kartierung nutzt das Verfahren der Ice Flow Perturbation Analysis. Während das Eis über ein Tal oder einen Grat fließt, hinterlässt das darunterliegende Relief ein schwaches Signal auf der Eisoberfläche. Satelliten messen diese Signale in hoher Auflösung, und die Forscher interpretieren die Muster, um die Form des verborgenen Geländes abzuleiten. Ziel ist es, die Datenbasis BedMachine Greenland zu verbessern.
Ergebnisse der Kartierung
Mit der Methode wurden 1.943 subglaziale Täler identifiziert, wobei etwa ein Drittel davon neu entdeckt wurde. Rund die Hälfte der bereits bekannten Täler, vor allem nahe dem Rand des Eisschildes, erstreckt sich nun weiter ins Landesinnere, teilweise um mehrere hundert Kilometer. Die Täler erstrecken sich über ein Gebiet von 1,7 Millionen Quadratkilometern, das Eis misst an seiner dicksten Stelle mehr als 3 Kilometer.
Geologische Implikationen
Ein Teil der neu kartierten Täler verläuft im west‑zentralen Bereich in einer konstanten Südwest‑Nordost‑Richtung, was auf einen tektonischen Einfluss hindeutet. „Das ist ein Rätsel für uns“, erklärte der NASA‑Kryosphären‑Wissenschaftler Joe MacGregor. Zudem zeigen die breiten Verzweigungswinkel der Täler, dass neben Oberflächenwasser ein ausgedehntes Grundwassernetz wahrscheinlich an der Entstehung beteiligt war.
Einfluss auf die Dynamik des Eisschildes
Die Täler lenken den Eisfluss, wodurch sich dort Gletscher bilden, die an den Rändern des Eisschildes in Fjorde abfließen. Dieser Prozess verstärkt sich selbst: Konzentrierter Eisfluss vertieft die Täler weiter, was zu schnellerem Fließen und dickerem Eis führt. MacGregor verglich das Phänomen mit den tief eingeschnittenen Landschaften des Yosemite‑Nationalparks, insbesondere mit dem El Capitan.
Bedeutung für zukünftige Projektionen
Da der Zusammenhang zwischen Talnetz und Eisfluss gut verstanden ist, erwarten die Wissenschaftler, dass das Abschmelzen des Eisschildes künftig weiterhin den bestehenden Tälern folgt. „Je besser wir das aktuelle Relief kennen, desto genauer können wir die Entwicklung des Eisschildes in den nächsten Jahrzehnten einschätzen“, sagte MacGregor.
Dieser Bericht basiert auf Informationen von NASA, lizenziert unter Public Domain (U.S. Government Work).
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