Ein neu entwickelter Messwert, der Rehabilitation Intervention Difficulty Index (RIDI), wurde in einer gemischten Methodenstudie konzipiert, um die Arbeitsbelastung von Therapeuten sowohl kognitiv‑affektiv als auch physiologisch zu erfassen. Ziel war es, ein kurzes, standardisiertes Instrument für die Planung von Personalressourcen und die Identifikation von Bereichen mit hohem Unterstützungsbedarf bereitzustellen.
Methodik und Stichprobe
Quantitativ wurden 441 Therapiesitzungen von 28 Therapeuten aus zwölf klinischen Bereichen analysiert. Die Messungen umfassten vier Items des NASA Task Load Index (mentale, zeitliche, Anstrengungs‑ und Frustrationsbelastung) sowie die Borg-Skala zur subjektiven Anstrengung, die auf einer 0‑10‑Skala normalisiert wurde. Der RIDI‑Score bildete den Mittelwert aus dem NASA‑Gesamtwert und dem normalisierten Borg‑Wert. Qualitativ wurden 20 Therapeuten (10 Einzelinterviews, 10 Fokusgruppen) befragt, um zusätzliche Belastungsquellen zu identifizieren.
Quantitative Ergebnisse
Der RIDI zeigte für die NASA‑Items eine hohe interne Konsistenz (α = 0,80, 95 % CI [0,77‑0,83]) und für den gesamten Fünf‑Item‑Satz eine akzeptable Konsistenz (α = 0,75, 95 % CI [0,72‑0,78]). Eine ein‑faktorielle Struktur erklärte 52 % der Varianz. RIDI‑Werte unterschieden sich signifikant zwischen den klinischen Bereichen (F = 9,18, p < 0,001, η² = 0,19); neurorehabilitative und akute neuro‑Settings erreichten mit 5,80 die höchsten Werte, während die ambulante Physiotherapie mit 3,63 am niedrigsten lag. Unter den häufig genutzten Interventionen erzielten Transfertraining (6,78) und Schienen (6,71) die höchsten Scores, passive Bewegungsübungen die niedrigsten (2,68). Der RIDI korrelierte moderat mit Sitzungsdauer (r = 0,28, p < 0,001), jedoch nicht mit der Berufserfahrung der Therapeuten (r = 0,01, p = 0,78).
Qualitative Erkenntnisse
Die thematische Analyse identifizierte sechs zentrale Belastungsquellen: Zeitdruck (78 codierte Segmente), kognitive Anforderungen (72), physische Anforderungen (65), patientenbezogene Faktoren (57), räumliche Einschränkungen (44) und Bewältigungsstrategien (33). Die Daten erreichten etwa zu 70 % Sättigung, sodass keine wesentlichen neuen Themen mehr auftraten.
Integration beider Methoden
Hohe RIDI‑Werte in neuro‑ und akuten Inpatientenbereichen stimmten mit den qualitativen Beschreibungen von starkem Zeit‑, kognitivem und physischem Aufwand überein. In diesen Bereichen wurden weniger Bewältigungsstrategien genannt (8 Segmente) als in Bereichen mit niedrigerem RIDI (23 Segmente), was auf begrenzte Möglichkeiten zur individuellen Stressreduktion hindeutet.
Praktische Implikationen
Der RIDI liefert ein praktikables Instrument, um besonders belastete Therapieumgebungen zu identifizieren und kann damit die Personalplanung, Workflow‑Gestaltung und räumliche Anpassungen unterstützen. Die geringe Erwähnung von Bewältigungsstrategien in hochbelasteten Settings legt nahe, dass strukturelle Maßnahmen vorrangig sein sollten, anstatt ausschließlich auf individuelle Coping‑Ansätze zu setzen.
Dieser Bericht basiert auf Informationen von PLOS ONE, lizenziert unter Creative Commons BY 4.0 (Open Access). Wissenschaftliche Inhalte, offen zugänglich.
