Ein neu entwickeltes kognitives Testverfahren ermöglicht es, die Effizienz der Konzeptabfolge in kreativen Denkprozessen zu quantifizieren. Die Autoren Olivier Toubia und Jonah Berger stellen den Shortest Semantic Path Task vor und führen eine Kennzahl namens circuitousness ein, die die optimale Sequenz von abgerufenen Konzepten misst. In fünf initialen Validierungsstudien zeigen sie, dass das Instrument Kreativität besser vorhersagt als bisherige Messgrößen.
Aufbau des Shortest Semantic Path Task
Der Task fordert Probanden auf, innerhalb eines vorgegebenen Zeitrahmens von einem Ausgangskonzept zu einem Zielkonzept zu navigieren, wobei sie jeweils das semantisch nächstliegende Zwischenelement auswählen. Die Länge des tatsächlich zurückgelegten Pfades wird mit dem kürzesten möglichen Pfad verglichen, um die Effizienz der semantischen Suche zu bestimmen.
Messgröße: Circuitousness
Die Kennzahl circuitousness berechnet das Verhältnis zwischen dem zurückgelegten Pfad und dem theoretisch kürzesten Pfad. Ein niedriger Wert signalisiert eine direkte, effiziente Abfolge, während ein hoher Wert auf Umwege und weniger optimale Sequenzen hinweist. Die Autoren definieren circuitousness als automatisierbares Maß, das sich aus den aufgezeichneten Pfaden ableiten lässt.
Ergebnisse aus den Validierungsstudien
In den fünf Studien, die mit unterschiedlichen Stichproben von Erwachsenen durchgeführt wurden, korrelierte circuitousness signifikant mit etablierten Kreativitätstests. Die Autoren berichten, dass die neue Messgröße die Varianz in Kreativitätsleistungen über die bestehenden Instrumente hinaus erklärt, ohne dass die Ergebnisse durch einfache Faktoren wie Intelligenz oder Wortschatz beeinflusst wurden.
Psychometrische Bewertung
Die psychometrischen Analysen zeigen eine hohe Reliabilität des Shortest Semantic Path Task und von circuitousness. Test‑Retest‑Stabilität sowie interne Konsistenz liegen im erwarteten Bereich, was laut den Autoren die Grundlage für robuste Weiterentwicklungen bildet.
Ausblick und Anwendungsmöglichkeiten
Die Autoren betonen, dass das Verfahren leicht adaptiert werden kann, um in verschiedenen Kontexten – etwa in Bildungs‑ oder Unternehmenssettings – eingesetzt zu werden. Sie sehen Potenzial, das Instrument zur Diagnose von kreativen Denkstilen und zur gezielten Förderung optimaler semantischer Suchstrategien zu nutzen.
Bedeutung für die Kreativitätsforschung
Durch die Fokussierung auf die Reihenfolge der Konzeptabfrage ergänzt das neue Messinstrument die bisherige Forschung, die vorwiegend die Breite des semantischen Raums betont hat. Die Autoren schließen, dass die Integration von circuitousness ein umfassenderes Bild kreativer Leistung liefert und zukünftige Theorien zur kreativen Informationsverarbeitung präzisieren könnte.
Dieser Bericht basiert auf Informationen von PLOS ONE, lizenziert unter Creative Commons BY 4.0 (Open Access). Wissenschaftliche Inhalte, offen zugänglich.
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