Großbritannien: Neugeborene erkennen gesprochene Wörter trotz akustischer Interferenz
Eine aktuelle Studie hat gezeigt, dass Neugeborene im Alter von null bis vier Tagen bereits in der Lage sind, gesprochene Wörter zu unterscheiden, selbst wenn ähnliche akustische Reize interferieren. Die Untersuchung ergab, dass die Säuglinge bei der Präsentation neuer Wörter eine stärkere kortikale Aktivität zeigten als bei bereits bekannten Wörtern, was auf ein funktionierendes verbales Gedächtnis hinweist.
Studienaufbau
Die Forschenden setzten ein Familiarisierungs‑Interferenz‑Test‑Protokoll ein, bei dem den Säuglingen zunächst Wörter einer Sprecherin vorgespielt wurden, gefolgt von einer Interferenzphase mit Wörtern einer anderen Sprecherin. Anschließend erfolgte ein Test, in dem sowohl bekannte als auch neue Wörter präsentiert wurden. Während des gesamten Ablaufs wurde die kortikale Aktivität mittels funktioneller Nahinfrarot‑Spektroskopie (fNIRS) gemessen.
Messungen und Aktivierungsmuster
Die Analyse der fNIRS‑Daten zeigte eine erhöhte Aktivierung im linken inferioren Frontallappen (IFG) und im linken superioren Temporallappen (STG) bei der Verarbeitung neuer Wörter im Vergleich zu bekannten Wörtern. Zusätzlich wurden Aktivierungen im rechten IFG und STG beobachtet, Regionen, die mit der Verarbeitung sozialer Stimmhinweise und Sprechererkennung assoziiert sind.
Rolle der Sprecheridentität
Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Identität des Sprechers als ein entscheidendes Merkmal für die Trennung von akustischen Episoden fungiert. Durch die Unterscheidung von „was“ (Wortinhalt) und „wer“ (Sprecher) können bereits Neugeborene nicht‑überlappende verbale Gedächtnisspuren bilden.
Bedeutung für die Gedächtnisentwicklung
Die Studie liefert Hinweise darauf, dass die Fähigkeit zur Quell‑Inhalts‑Verknüpfung, also das gleichzeitige Speichern von Information und deren Quelle, bereits von Geburt an vorhanden ist. Dieser Mechanismus könnte als Vorstufe für die spätere Entwicklung episodischer Gedächtnisfunktionen dienen.
Einordnung in die Sprachforschung
Frühkindliche Sprachaufnahme beruht wesentlich auf Gedächtnisprozessen. Während frühere Untersuchungen bereits die Existenz von Gedächtnisbildung bei Neugeborenen nachwiesen, zeigte diese Arbeit, dass akustische Interferenzen durch unterschiedliche Sprecheridentitäten überwunden werden können, wodurch das Lernen stabiler wird.
Ausblick
Die Erkenntnisse eröffnen neue Forschungsfelder, etwa die Untersuchung, wie verschiedene soziale Kontextinformationen die frühe Sprachverarbeitung beeinflussen und welche langfristigen Auswirkungen diese frühen Gedächtnismechanismen auf die Sprachentwicklung haben.
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