Eine internationale Forschergruppe hat nachgewiesen, dass das menschliche Gehirn bereits 150 ms nach dem Sehen eines Wortes visuelle Unterschiede zwischen Alphabeten und nicht‑alphabetischen Schriftsystemen erkennt, ohne dabei auf Bedeutung oder Aussprache zurückzugreifen.
Methodischer Ansatz
In neun separaten Experimenten wurden Elektroenzephalographie (EEG), Magnetoenzephalographie (MEG) und ein Wiederholungssuppression‑Paradigma eingesetzt, um die neuronale Verarbeitung von geschriebenen Wörtern verschiedener Sprachen zu messen.
Aktive Hirnregionen
Die Analysen zeigten, dass ein Netzwerk aus anteriorem Temporallappen, Inselrinde, orbitalem Frontallappen und ventralem okzipito‑temporalem Kortex beider Hemisphären aktiv ist, wenn das Gehirn Korrelationen zwischen zwei Wörtern berechnet, um intra‑sprachliche Ähnlichkeit und inter‑sprachliche Unterschiede zu repräsentieren.
Temporale Dynamik
Die relevanten Prozesse beginnen bereits 150 ms nach Stimuluspräsentation und nutzen funktionelle Verbindungen innerhalb derselben Hirnhemisphäre, was auf eine schnelle, lokalisierte Kategorisierung hindeutet.
Unabhängigkeit von Semantik und Phonologie
Die Forscher betonten, dass die beobachteten neuronalen Muster unabhängig von den semantischen Bedeutungen und der Aussprache der Wörter auftreten, was auf eine rein visuelle Kategorisierungsfunktion schließen lässt.
Robustheit ĂĽber SprachhintergrĂĽnde hinweg
Die Ergebnisse erwiesen sich als konsistent bei Teilnehmern mit unterschiedlichen sprachlichen HintergrĂĽnden, wodurch die Generalisierbarkeit des Netzwerks fĂĽr verschiedene Sprachgemeinschaften gestĂĽtzt wird.
Bedeutung fĂĽr soziale Kategorisierung
Nach Angaben der Autoren liefert die Studie evidenzbasierte Einblicke in die neurobiologischen Grundlagen, mit denen Sprache als spontanes Werkzeug zur sozialen Kategorisierung von Personen fungieren kann.
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