International: NGOs fordern in Hongkong gezielte Maßnahmen zum Schutz vulnerabler Gruppen vor Hitzegefahren
Mehrere Umwelt‑ und Sozial‑NGOs in Hongkong fordern die Regierung auf, konkrete politische Interventionen zu ergreifen, um besonders gefährdete Personengruppen vor zunehmenden Hitzegefahren zu schützen. Die Forderungen basieren auf aktuellen Beobachtungen, Befragungen und wissenschaftlichen Studien, die ein steigendes Risiko für Gesundheit und Wohlbefinden zeigen.
Hintergrund der Hitzewarnungen
Der Hongkong Observatory hat bereits zu Jahresbeginn 2026 vor anormal hohen Temperaturen gewarnt, die im Zusammenhang mit den wiederkehrenden El‑Niño‑Bedingungen stehen. Trotz einer gut ausgebauten Infrastruktur für Hochwasser und Stürme sei die Stadt im Sommer häufig extremen Hitzeperioden ausgesetzt, die vor allem Menschen im Freien und Haushalte mit geringem Einkommen betreffen.
Betroffene Personengruppen
Zu den am stärksten gefährdeten Personengruppen zählen ältere Bürger, die häufig unter kardiovaskulären Erkrankungen leiden, sowie Arbeiter im Freien, etwa Straßenreiniger und Bauarbeiter. Im Jahr 2024 betrug der Anteil der über 65‑Jährigen etwa 20 % der Gesamtbevölkerung, rund 236 000 lebten allein. Für Haushalte mit niedrigem Einkommen fehlt häufig der Zugang zu bezahlbarer Klimatisierung, weil die Stromkosten zu hoch sind.
Stellungnahmen der NGOs
Ivy Leung, Executive Director von CarbonCare InnoLab, betont, dass Klimaschutz nicht allein auf Infrastruktur und Investitionen beruhen könne, sondern dass die Stärkung von Wissen und Fähigkeiten in der Bevölkerung nötig sei. Prudence Yeung von Greenpeace Hongkong kritisiert, dass die aktuelle Haushaltsplanung keinerlei Unterstützung für klimatisch gefährdete Gruppen enthielte und dass die Regierung die Existenz solcher Gruppen in ihren Politikpapieren nicht anerkenne.
Daten zu Hitzetagen und gesundheitlichen Folgen
Im Jahr 2025 wurden 53 sehr heiße Tage mit Temperaturen von mindestens 33 °C und vier extrem heiße Tage mit mindestens 35 °C registriert. Eine von Greenpeace Hongkong und der Katholischen Arbeitskommission durchgeführte Umfrage aus dem Jahr 2023 ergab, dass 62 % der befragten Straßenreiniger und Bauarbeiter Symptome von Hitzeschlag erlebten, wobei die Hälfte angab, wöchentlich mindestens einmal betroffen zu sein. Die Arbeitsbehörde verzeichnete in den Jahren 2023 und 2024 jeweils rund 30 gemeldete Fälle von Hitzeschlag am Arbeitsplatz.
Probleme bei den Kühlzentren
Obwohl die Regierung 19 Kühlzentren für Hitzeperioden eingerichtet hat, zeigen Untersuchungen von Greenpeace Hongkong und ImpactHK, dass diese Einrichtungen wegen ungünstiger Lage, mangelnder Öffentlichkeitsarbeit, fehlender Privatsphäre und kurzer Öffnungszeiten kaum genutzt werden. Die NGOs argumentieren, dass die vorhandene Hardware zwar vorhanden sei, die organisatorische Software jedoch unzureichend sei, um den Bedürfnissen der Betroffenen gerecht zu werden.
Empfehlungen für weitere Maßnahmen
Die NGOs fordern eine stärkere Einbindung von Gemeinschaften in die Planung von Klimaanpassungsstrategien, die Einführung eines arbeitsplatzbezogenen Hitze‑Stress‑Index sowie die Aufnahme von Hitzeschlag in die Liste der Berufskrankheiten. Zusätzlich wird eine Ausweitung der Messstationen auf weitere Stadtteile und die Bereitstellung von mobilen Hitze‑Detektoren für Arbeitnehmer gefordert.
Wissenschaftliche Befunde zu Übersterblichkeit
Eine Studie der Hongkong University hat für den Zeitraum 2014‑2023 zwischen 1 455 und 3 238 exzessive Todesfälle auf Hitze zurückgeführt, womit Hitze zu den zehn häufigsten Todesursachen der Stadt zählt – vergleichbar mit Diabetes. Die Weltgesundheitsorganisation hat kürzlich erneut betont, dass Hitze ein bedeutendes Umwelt‑ und Arbeitsrisiko darstelle.
Dieser Bericht basiert auf Informationen von Global Voices, lizenziert unter Quelle beachten. Lizenzangabe konnte nicht eindeutig zugeordnet werden.
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