Eine aktuelle Open‑Access‑Studie hat gezeigt, dass bereits sehr niedrige Konzentrationen des Pestizids Thiram (5, 10 und 15 µg/L) über einen Zeitraum von zwölf Tagen zu signifikanten genetischen und physiologischen Schäden bei Süßwasserfischen führen. Die Untersuchung ergab erhöhte Frequenzen von Mikronukleus‑Bildungen, deformierten Zellkernen und anderen erythrozytären Anomalien sowie ausgeprägte oxidative Stressreaktionen in Geweben.
Studienaufbau und Dosierung
Die Forscher teilten die Testfische in vier Gruppen ein, wobei drei Gruppen jeweils einer der genannten Thiram‑Konzentrationen ausgesetzt wurden. Blutproben, Kiemen‑ und Darmgewebe wurden an den Tagen 4, 8 und 12 entnommen, um morphologische, biochemische und molekulare Parameter zu analysieren.
Blutveränderungen
Blutausstriche zeigten bei den höher dosierten Gruppen signifikante Anstiege von Mikronukleus‑Ereignissen, gezackten, gelappten und träger‑förmigen Erythrozyten (p ≤ 0,05). Diese Befunde deuten auf eine direkte genotoxische Wirkung des Pestizids im Blutkreislauf hin.
Oxidativer Stress in Geweben
In Kiemen‑ und Darmgeweben wurden die Aktivitäten der Antioxidansenzyme Katalase (CAT), reduziertes Glutathion (GSH), Peroxidase (POD) und Superoxid-Dismutase (SOD) signifikant reduziert (p ≤ 0,05). Gleichzeitig stiegen die Konzentrationen reaktiver Sauerstoffspezies (ROS) und der Thiobarbitursäure‑reaktiven Substanzen (TBARS) deutlich an, was auf erhöhte oxidative Belastung hinweist.
Genotoxizität
Der mit dem Comet‑Assay durchgeführte DNA‑Schadensnachweis ergab bei den höheren Thiram‑Konzentrationen stark erhöhte Werte für genomische Instabilität in Zellen der Kiemen‑ und Darmproben (p ≤ 0,05).
Histopathologische Befunde
Histologische Untersuchungen der Kiemen zeigten bei den stärker belasteten Fischen moderate bis schwere Läsionen, darunter Degeneration des knorpeligen Kerns, Zerstörung primärer und sekundärer Lamellen, Nekrose der lamellaren Epithelzellen, Telangiektasien und Krümmungen der sekundären Lamellen.
Bedeutung fĂĽr den Umweltschutz
Die Autoren schließen daraus, dass selbst extrem niedrige Thiram‑Dosen erhebliche gesundheitliche Risiken für aquatische Organismen darstellen. Sie fordern die Entwicklung umweltfreundlicherer Chemikalien und strengere Schutzmaßnahmen für Gewässer.
Dieser Bericht basiert auf Informationen von PLOS ONE, lizenziert unter Creative Commons BY 4.0 (Open Access). Wissenschaftliche Inhalte, offen zugänglich.
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