Sonstige: Norwegisches Gericht prüft Klage gegen Telenor wegen Datenweitergabe an Militärregierung in Myanmar
Ein norwegisches Gericht hat im September 2026 die Ermittlungen gegen das Telekommunikationsunternehmen Telenor aufgenommen, das beschuldigt wird, sensible Kundendaten an die Militärregierung Myanmars übermittelt zu haben. Die Vorwürfe beziehen sich auf den Zeitraum von 2014 bis 2022, in dem Telenor rund 18 Millionen Abonnenten in Myanmar betreute.
Hintergrund der Aktivitäten in Myanmar
Telenor, zu 54 Prozent im Besitz des norwegischen Staates, setzte nach dem Militärputsch im Februar 2021 den Druck der Junta aus, um Überwachungs- und Inhaltsblockierungsanweisungen zu befolgen. Trotz wachsender Kritik von zivilgesellschaftlichen Gruppen verließ das Unternehmen das Land erst 2022, nachdem die lokale Operation an ein Unternehmen mit Verbindungen zur Junta verkauft werden sollte.
Rechtliche Vorwürfe und Klagen
Im Dezember 2024 reichte die Aktivistengruppe Justice For Myanmar eine Beschwerde wegen Verstoßes gegen das norwegische Sanktionsgesetz ein, die im Oktober 2025 um den Vorwurf der Beihilfe zu Verbrechen gegen die Menschlichkeit erweitert wurde. Im April 2026 folgte eine Sammelklage von myanmarischen Bürgern, die behaupten, dass Telenor mindestens 1 253 Telefonnummern sowie zugehörige Anrufprotokolle, Standortdaten, Namen, Adressen, Ausweisnummern, Facebook‑Profile und Bankverbindungen an die Junta übermittelt habe.
Reaktion der norwegischen Behörden
Laut einem Sprecher des parlamentarischen Untersuchungsausschusses muss geklärt werden, wie ein staatseigenes Unternehmen mit einem brutalen Militärregime zusammenarbeiten konnte. Im September 2026 durchsuchten das Nationale Kriminalermittlungsamt und der Innenschutzdienst die Telenor‑Büros im Zusammenhang mit den Vorwürfen.
Stellungnahmen von Telenor
Der Medienbeauftragte des Unternehmens, David Fidjeland, erklärte, dass Telenor mit den Behörden kooperiere und die Sicherheit seiner Mitarbeiter in Myanmar nicht gefährden wolle. Er betonte, dass ein Verstoß gegen die Anordnungen des Militärs das Risiko von Haft, Folter oder Todesstrafe für die Mitarbeiter erhöht habe.
Ansichten von Betroffenen und Menschenrechtsvertretern
Tha Zin, Witwe des verhafteten und hingerichteten Oppositionspolitikers Phyo Zeya Thaw, berichtete, dass ihr Mann unmittelbar nach dem Zugriff der Junta auf seine Kontaktdaten verhaftet wurde. Der Menschenrechtsaktivist Faiz Naeem von Access Now wies darauf hin, dass das Verfahren ein Warnsignal für Technologieunternehmen sei, die ihre Menschenrechtsverpflichtungen nach dem Marktaustritt vernachlässigen.
Finanzielle Forderungen und mögliche Konsequenzen
Die Sammelklage verlangt Schadensersatz in Höhe von 9 000 EUR (etwa 10 500 USD) pro betroffener Person. Experten sehen in dem Verfahren einen möglichen Präzedenzfall, der Unternehmen dazu zwingen könnte, bei der Zusammenarbeit mit autoritären Regimen stärker Verantwortung zu übernehmen.
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