USA: NSAID-Einnahme im ersten Trimester nicht mit Fehlbildungen assoziiert, zeigt neue Studie
Eine neue Untersuchung, veröffentlicht am 4. Juni 2026 in PLOS Medicine, analysiert den Zusammenhang zwischen der Einnahme nichtâsteroidaler Antirheumatika (NSAIDs) im ersten Schwangerschaftstrimester und dem Auftreten von Fehlbildungen beim Neugeborenen. Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass keine signifikante Erhöhung des Risikos fĂŒr kongenitale Fehlbildungen insgesamt oder fĂŒr spezifische Organkategorien erkennbar ist.
Hintergrund
Schmerzen und Fieber gehören zu hĂ€ufigen Beschwerden wĂ€hrend der Schwangerschaft, doch die Auswahl geeigneter Analgetika ist durch potenzielle Risiken fĂŒr das ungeborene Kind eingeschrĂ€nkt. WĂ€hrend Paracetamol traditionell als Erstlinientherapie gilt, hat jĂŒngste regulatorische Aufmerksamkeit hinsichtlich möglicher neuroentwicklungsbedingter Nebenwirkungen Unsicherheit erzeugt. NSAIDs wie Ibuprofen, Diclofenac oder Naproxen stellen alternative Optionen dar, jedoch sind frĂŒhere Beobachtungsstudien teils zu widersprĂŒchlichen Ergebnissen gelangt.
Methodik
Die Forschenden nutzten umfangreiche Daten zur Medikamentenverschreibung und zu ĂŒberâtheâcounterâVerkĂ€ufen, die sowohl verschriebene als auch im Gesundheitssystem erfasste NSAIDâVerwendungen umfassen. Durch den Einsatz von gerichteten azyklischen Graphen (DAGs) wurden relevante Kovariaten identifiziert, woraufhin ein PropensityâScoreâMatching durchgefĂŒhrt wurde, um exponierte und nichtâexponierte Schwangerschaften hinsichtlich messbarer Merkmale auszugleichen. Die RisikoabschĂ€tzung erfolgte mittels GâComputation, einem kausalen Inferenzverfahren, das den durchschnittlichen Behandlungseffekt quantifiziert. Kinder wurden bis zum ersten Lebensjahr nachgebeobachtet, um Fehlbildungen zu erfassen, die nach der Geburt diagnostiziert wurden.
Ergebnisse
Die Analyse zeigte, dass die Exposition gegenĂŒber NSAIDs im ersten Trimester nicht mit einem erhöhten Risiko fĂŒr groĂe kongenitale Fehlbildungen korreliert (RisikoâRatio â 1,0). Gleiches gilt fĂŒr organâspezifische Fehlbildungen, etwa kardiovaskulĂ€re, muskulĂ€reâskeletale, zentraleânervöse, gastrointestinale oder urogenitale Anomalien. Subgruppenanalysen zu einzelnen Wirkstoffen â Ibuprofen, Diclofenac, Naproxen, Etodolac und Indometacin â lieferten ebenfalls keine signifikanten Risikoabweichungen, wobei die StichprobengröĂe bei weniger hĂ€ufig genutzten PrĂ€paraten begrenzt war. Auch eine DosisâResponseâAnalyse (1â7 DDD vs. >21 DDD) zeigte keine steigende Risikokurve.
StÀrken und SchwÀchen
Die Studie verbessert frĂŒhere Forschung durch die BerĂŒcksichtigung von Indikationskonfoundierung, die Nutzung von DAGs zur Kovariatenwahl und die Anwendung von PropensityâScoreâMatching. Die Einbeziehung von ĂŒberâtheâcounterâDaten und die Nachverfolgung ĂŒber das erste Lebensjahr erhöhen die Erfassungsrate von Fehlbildungen. EinschrĂ€nkungen bestehen jedoch in nicht erfassten privaten NSAIDâKĂ€ufen, fehlender Information ĂŒber die tatsĂ€chliche Medikamenteneinnahme und dem Ausschluss von Fehlgeburten, die potenziell relevante Ereignisse darstellen könnten.
Bedeutung fĂŒr die Praxis
Die Ergebnisse legen nahe, dass die kurzzeitige Anwendung von NSAIDs im ersten Schwangerschaftstrimester, unter BerĂŒcksichtigung der klinischen Indikation, kein erhöhtes Fehlbildungsrisiko birgt. Dennoch bleibt Vorsicht geboten, da unbehandelte fieberhafte Erkrankungen selbst Risiken fĂŒr das Kind darstellen und die Möglichkeit einer Ăberanpassung in der Analyse besteht. Kliniker sollten die individuelle Indikationslage prĂŒfen und alternative Analgetika abwĂ€gen, insbesondere bei lĂ€ngerfristiger Anwendung.
Dieser Bericht basiert auf Informationen von PLOS Medicine, lizenziert unter Creative Commons BY 4.0 (Open Access). Wissenschaftliche Inhalte, offen zugÀnglich.
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