Ein Team von Forschern hat im Zeitraum vom 5. November bis zum 5. Dezember 2024 in der East Shoa Zone im östlichen Äthiopien eine Untersuchung zur Nutzung des maternalen Versorgungscontinuums durchgeführt. Die Studie, veröffentlicht von Serbesa Dereje Degaga, Solomon Shiferaw und Girma Taye Aweke, ergab, dass lediglich 23,2 % (95 % CI: 20,6 %–25,9 %) der befragten Frauen das komplette Kontinuum – mindestens vier Antenatal‑Besuche, qualifizierte Geburtshilfe und Nachsorge innerhalb von 48 Stunden – in Anspruch genommen haben.
Studienrahmen
Die Untersuchung richtete sich an Frauen im ländlichen Raum, die innerhalb der zwölf Monate vor dem Befragungszeitpunkt ein Kind zur Welt gebracht hatten. Ziel war es, die aktuelle Situation zu erfassen und die mit der Nutzung verbundenen Faktoren zu identifizieren.
Methodik
Im Rahmen einer gemeindebasierten Querschnittsstudie wurden 1.038 Frauen per mehrstufiger Stichprobe ausgewählt; 997 davon (96,1 % Rücklaufquote) nahmen an den persönlichen Interviews teil. Zusätzlich wurde die Bereitschaft von Gesundheitseinrichtungen mittels einer an das SARA‑Instrument angepassten Checkliste vor Ort beurteilt. Zur Analyse kamen mehrstufige logistische Regressionsmodelle zum Einsatz, wobei Ergebnisse als adjustierte Odds‑Ratios (AOR) mit 95‑Prozent‑Konfidenzintervallen ausgewiesen wurden.
Gesamtergebnisse
Die niedrige Gesamtrate von 23,2 % verdeutlicht ein erhebliches Absinken der Inanspruchnahme von Leistungen zwischen den einzelnen Versorgungsstufen. Trotz nationaler Programme zur Verbesserung der Mutterschaftsversorgung bleibt die Durchdringung in ländlichen Gebieten deutlich hinter den Zielsetzungen zurück.
Einflussfaktoren auf individueller Ebene
Frauen mit sekundärer oder höherer Schulbildung wiesen ein dreifach höheres Ansteigerniveau (AOR = 3,27; 95 % CI: 1,37–7,79) auf. Ein früher Beginn der Antenatal‑Versorgung (AOR = 5,16; 95 % CI: 3,01–8,83), das Bewusstsein für Schwangerschafts‑Gefahrensymptome (AOR = 3,89; 95 % CI: 1,81–8,37), ein höheres Haushaltsvermögen (AOR = 2,57; 95 % CI: 1,41–4,67) sowie eine Anfahrtszeit von weniger als einer Stunde (AOR = 1,87; 95 % CI: 1,01–3,17) erhöhten die Wahrscheinlichkeit, das Kontinuum vollständig zu nutzen.
Einflussfaktoren auf Systemebene
Ein hoher Bereitschaftsgrad von Gesundheitseinrichtungen, gemessen an der Erfüllung von Infrastruktur‑ und Personalstandards, war mit einer fünffach höheren Chance verbunden (AOR = 5,19; 95 % CI: 1,48–18,16), die komplette Versorgung in Anspruch zu nehmen.
Implikationen und Handlungsempfehlungen
Die Ergebnisse legen nahe, dass sowohl nachfrage‑ als auch angebotsseitige Maßnahmen erforderlich sind. Auf Nachfrageseite sollten Aufklärungsprogramme das Wissen über Schwangerschafts‑Risiken stärken und die Bedeutung eines frühen Antenatal‑Starts betonen. Auf Angebotsseite ist die Stärkung der Facility‑Readiness, etwa durch Verbesserung von Ausrüstung, Personal und Medikamentenverfügbarkeit, entscheidend, um den Zugang zu qualitativ hochwertiger Versorgung zu sichern.
Ausblick
Angesichts der geringen Durchdringungsrate empfiehlt das Autorenteam, multilevel‑Interventionen zu entwickeln, die gezielt die identifizierten individuellen und systemischen Barrieren adressieren, um die Gesundheit von Müttern und Neugeborenen nachhaltig zu verbessern.
Dieser Bericht basiert auf Informationen von PLOS ONE, lizenziert unter Creative Commons BY 4.0 (Open Access). Wissenschaftliche Inhalte, offen zugänglich.
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