USA: Open Heritage Roundtable – Wege zu einer UNESCO‑Empfehlung
Am 29. September fand in Paris ein Rundtischgespräch zum Thema Open Heritage statt. Organisiert wurde die Veranstaltung von Creative Commons in offizieller Partnerschaft mit der UNESCO, um mögliche Schritte für eine neue UNESCO‑Empfehlung zu erörtern.
Rund 30 Teilnehmer aus UNESCO‑Ständigen Vertretungen, nationalen Kommissionen, Ministerien für Kultur, Bibliotheken, Archiven und internationalen Nichtregierungsorganisationen aus dem Open‑Heritage‑Umfeld kamen zusammen. Die Diskussionen wurden sowohl auf Französisch als auch auf Englisch geführt.
Das erklärte Ziel war die Prüfung der Machbarkeit einer UNESCO‑Empfehlung, die den Schutz, die Bewahrung und die gerechte Teilung von Kulturerbe als Mittel zur Bewältigung globaler Herausforderungen sicherstellen soll. Die Eröffnungsrede betonte den Übergang von Reflexion zu Handlung.
Open Heritage ist bereits Realität
Ein zentrales Ergebnis war die Feststellung, dass Open Heritage kein theoretisches Konzept, sondern bereits in vielen Institutionen umgesetzt wird. Die Qatar National Library hat beispielsweise mehr als 15 Millionen Seiten von Büchern, Manuskripten und anderen Materialien digitalisiert und verzichtet auf neue Urheberrechtsansprüche für Public‑Domain‑Wiedergaben. Trotz dieser Fortschritte seien nur etwa 1 % aller Kultureinrichtungen weltweit in Open‑Heritage‑Projekte eingebunden, was die Notwendigkeit weiterer Maßnahmen verdeutliche.
Open Heritage stärkt Urteilsfähigkeit
Die Runde hob hervor, dass der Zugang zu Originalmaterial und Metadaten den Menschen mehr Handlungsfähigkeit gebe, eigene Schlüsse zu ziehen, anstatt sich ausschließlich auf etablierte Narrative zu stützen. Diese Sichtweise spiegele sich in Luxemburgs nationaler Kulturpolitik wider, die den kritischen Umgang mit Quellen betont.
Open Heritage als lebendiges Erbe
Ein Beispiel aus Deutschland zeigte, wie Schülerinnen und Schüler ein digital verfügbares Renaissance‑Porträt des Städel Museums neu interpretieren konnten. Durch solche partizipativen Nutzungen bleibe das Erbe lebendig und relevant für neue Generationen.
Künstliche Intelligenz verändert Open Heritage
Vertreter aus Aruba wiesen darauf hin, dass kleine Inselstaaten von der Digitalisierung profitieren, weil sie damit verstreute Kulturschätze wieder zusammenführen können. Gleichzeitig warne man vor der Gefahr, dass Sprachen wie Papiamento in KI‑Modellen unterrepräsentiert bleiben, wenn das zugehörige Erbe nicht digital zugänglich sei. Erfahrungen aus Québec unterstreichen die Notwendigkeit, bei der Nutzung von KI sowohl Innovation als auch den Schutz von Urheber‑ und Gemeinschaftsrechten zu berücksichtigen.
Empfehlung als fehlendes drittes Pfeiler
Die Teilnehmenden verglichen die geplante UNESCO‑Empfehlung mit den bereits bestehenden Empfehlungen zu Offenen Bildungsressourcen (2019) und Offener Wissenschaft (2021). In den Niederlanden sei die Umsetzung dieser Rahmenwerke erfolgreich, während das kulturelle Erbe bislang als fehlender dritter Pfeiler identifiziert sei.
Verknüpfung der UNESCO‑Themen
Die Diskussion zeigte zudem Verbindungen zwischen Open Heritage und anderen UNESCO‑Mandaten, etwa kulturelle Vielfalt, digitale Infrastruktur und KI‑Ethik. Deutschlands Kultur‑Daten‑Raum und das Art‑Doc‑Archiv in Berlin seien bereits im Rahmen der UNESCO‑Konvention von 2005 verankert und illustrieren die interdisziplinäre Verknüpfung.
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