Plasmamembranlipide können EGFR-Aktivität ohne Ligand steuern
Eine neue Studie von Forschern des MIT hat gezeigt, dass die Zusammensetzung der Plasmamembran die Aktivität des epidermalen Wachstumsfaktorrezeptors (EGFR) maßgeblich beeinflussen kann, sogar in Abwesenheit des Liganden EGF.
Methodik
Die Untersuchung wurde mit Nanodiscs durchgeführt, kleinen, kreisförmigen Lipidmembranen, in die ein vollständiges EGFR-Protein eingebettet wurde. Durch Variation des Lipidgehalts konnten die Forscher die konformationelle Reaktion des Rezeptors mittels Einzelmolekül‑FRET (Förster‑Resonanz‑Energietransfer) beobachten.
Einfluss anionischer Lipide
Bei physiologischen Anteilen anionischer Lipide (15–30 % POPS) zeigte das Ligand‑gebundene EGFR eine ausgeprägtere Konformationsänderung der intrazellulären Domänen im Vergleich zu Nanodiscs ohne anionische Lipide, was auf eine Verstärkung der Signalweiterleitung hindeutet.
Hohe Anionenkonzentration und konstitutive Aktivierung
Erreichte man in den Nanodiscs 60 % POPS – ein Niveau, das in manchen Krebszellen vorkommt – dominierte das offene, aktive Konformationszustand des Rezeptors, selbst ohne Ligand. Gleichzeitig wurde ein hohes ATP‑Bindungsniveau gemessen, was auf eine ligandunabhängige Aktivität schließen lässt.
Cholesterin wirkt dämpfend
Enthielten die Nanodiscs Cholesterin, blieb die Verteilung der FRET‑Signale unabhängig von der Anwesenheit des Liganden, was auf eine Unterdrückung der intrazellulären Antwort hindeutet. Die Forscher führen dies auf die erhöhte Membransteifigkeit und verringerte Fluidität zurück, die durch Cholesterin verursacht werden.
Bedeutung für Therapie und Forschung
Die Ergebnisse legen ein Modell nahe, in dem das Lipidumfeld die Ligand‑abhängige Kontrolle des EGFR überschreiben kann. Da ähnliche Kinase‑Domänen in anderen Rezeptorproteinen vorkommen, könnte diese Mechanik ein allgemeines Prinzip sein. Für die Entwicklung von Medikamenten, die das EGFR‑Signal modulieren, erscheint es wichtig, die umgebende Membran in die Zielstrategie einzubeziehen.
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