USA: Rückzug einer systematischen Übersichtsarbeit zu sensorischen Kunsttherapien bei Zahnbehandlungsangst
Entscheidung der Redaktion
Der Redakteur von PLOS ONE hat am 27. August 2026 die Rücknahme einer systematischen Übersichtsarbeit angekündigt, die die Wirkung sensorischer Kunsttherapien auf Angst während der Wurzelkanalbehandlung untersucht hatte. Die Rücknahme erfolgte nach intensiver Prüfung der veröffentlichten Ergebnisse.
Methodische Heterogenität
Die Untersuchung fasste verschiedene Interventionen wie virtuelle Realität, Aromatherapie, Musiktherapie, Chromotherapie, Yoga und Aerobic unter dem Begriff „sensorische Kunsttherapien“ zusammen. Diese breite Streuung erschwere die Zuordnung von Effekten zu einzelnen Therapieformen und mindere die Aussagekraft der zusammengefassten Analysen.
Unklare Teilnehmervoraussetzungen
Ein im Review zitierter Beitrag entsprach nicht den festgelegten Teilnehmervoraussetzungen, die erwachsene Patienten mit Angst vor oder während einer Wurzelkanalbehandlung definierten. Der betreffende Artikel schloss zudem Patienten ein, die routinemäßige zahnärztliche Behandlungen ohne spezifische Angstzustände erhielten.
Abweichende Interventionen
Zwei weitere Studien erfüllten die vorgegebene Interventionsdefinition nicht, da sie ausschließlich Aerobic‑Training bzw. Yoga untersuchten, obwohl der Review ausschließlich kunstbasierte, sensorische Verfahren vorsah. Diese Arbeiten wurden nicht in die Meta‑Analyse einbezogen.
Begrenzte Datenbasis
Die Autoren führten acht outcome‑spezifische Meta‑Analysen durch, wobei jede Analyse nur zwei bis sechs Studien umfasste (n=2,4,2,4,3,6,6,3). Zusätzlich wurden in sechs Analysen mehrere Subgruppen aus denselben Studien verwendet, was die Robustheit der Ergebnisschätzungen weiter schwächte.
Bewertungsinkonsistenzen
Im GRADE‑Diagramm wies die Herzfrequenzbewertung einen mittleren Qualitätsgrad auf, während die zugehörige Tabelle einen hohen Grad ausweist. Die Redaktion stellte zudem fest, dass die Evidenz für visuelle Analogskala, Herzfrequenz und Speichel‑Cortisol fälschlicherweise aufgrund der Effektstärke aufgewertet wurde – ein Vorgehen, das laut Cochrane‑Leitfaden bei randomisierten Studien nicht zulässig ist.
Verletzung der Unabhängigkeitsannahme
Ein eingeschlossener Beitrag präsentierte vier Messungen (zwei Musikinterventionen, je zwei Zeitpunkte) gegenüber derselben 30‑Personen‑Kontrollgruppe. Die wiederholte Nutzung derselben Kontrollgruppe als unabhängige Datenpunkte verletzte die Annahme statistischer Unabhängigkeit und führte zu einer Überschätzung des Stichprobenumfangs.
Redaktionelle Begutachtung
Die Redaktion holte die Meinung eines unabhängigen Fachgutachters sowie eines statistischen Beraters ein; beide bestätigten die Bedenken hinsichtlich Validität und Zuverlässigkeit. Die Autoren XL, SG und GH reagierten, ohne jedoch eine klare Stellungnahme zur Rücknahme abzugeben, während JW nicht erreichbar war.
Bedeutung für die Forschung
Die Rücknahme unterstreicht die Notwendigkeit strenger Einschlusskriterien und transparenter Analysen bei systematischen Übersichtsarbeiten, insbesondere in interdisziplinären Bereichen wie der Kunsttherapie. Dieser Bericht basiert auf Informationen von PLOS ONE, lizenziert unter Creative Commons BY 4.0 (Open Access). Wissenschaftliche Inhalte, offen zugänglich.
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