Kernergebnis
Eine aktuelle systematische Übersicht hat einen signifikanten Zusammenhang zwischen der pränatalen Einnahme von Beta‑2‑Adrenergika und dem Auftreten von Autismus‑Spektrum‑Störungen (ASD) bei den Nachkommen nachgewiesen. Die Metaanalyse von drei Studien mit insgesamt 1.380.871 Teilnehmern ergab für die Exposition vor der Empfängnis ein adjustiertes Odds Ratio (aOR) von 1,34 (95‑%‑KI [1,19, 1,52]) und während der Schwangerschaft ein aOR von 1,29 (95‑%‑KI [1,16, 1,42]).
Hintergrund
Asthma‑Exazerbationen während der Schwangerschaft können sowohl die Gesundheit der Mutter als den des Fötus gefährden, weshalb eine kontinuierliche medikamentöse Therapie empfohlen wird. Vorangegangene Untersuchungen lieferten jedoch widersprüchliche Hinweise auf mögliche neuroentwicklungsbedingte Risiken für das Kind.
Methodik
Die Forscher durchsuchten die Datenbanken PubMed, Medline und Embase nach englischsprachigen Studien, die zwischen Januar 2003 und September 2024 veröffentlicht wurden und pränatale Exposition gegenüber Asthma‑Medikamenten sowie neuroentwicklungs- oder bildungsbezogene Endpunkte untersuchten. Ausschlusskriterium war die Verwendung von Asthma‑Medikamenten für andere Indikationen. Die Qualität der eingeschlossenen Studien wurde mit der Newcastle‑Ottawa‑Skala bewertet; wo möglich, wurden random‑effects‑Metaanalysen durchgeführt und Heterogenität mittels Cochran‑Q‑ und I²‑Tests geprüft.
Ergebnisse im Ăśberblick
Von insgesamt 16.824 identifizierten Publikationen erfüllten sieben die Einschlusskriterien; ein späterer Suchlauf im November 2025 fügte eine weitere Studie hinzu, sodass insgesamt acht Studien mit 3.867.170 Teilnehmern berücksichtigt wurden. Alle untersuchten Beta‑2‑Adrenergika, ein Teil zusätzlich inhalative Kortikosteroide. Zwei Studien berichteten Assoziationen mit ASD, eine mit Aufmerksamkeits‑Defizit‑Hyperaktivitäts‑Störung (ADHS). Die Metaanalyse zeigte konsistente, jedoch geringe Heterogenität und keinen Hinweis auf Publikationsbias.
Limitationen
Die Autoren weisen darauf hin, dass Residual‑Konfundierung und Fehlklassifikation der Exposition die Ergebnisse verfälschen könnten. Zudem sei die Zahl der in die Metaanalyse einbezogenen Studien begrenzt, und es bestehe eine Unklarheit, ob beobachtete Effekte auf das Medikament selbst oder auf die zugrunde liegende Asthmaerkrankung der Mutter zurückzuführen seien.
Schlussfolgerungen
Nach Aussage der Untersuchung legt die aggregierte Evidenz nahe, dass eine pränatale Exposition gegenüber Beta‑2‑Adrenergika das Risiko für ASD erhöhen kann. Ein möglicher Zusammenhang mit ADHS wurde nur in einer einzelnen Studie beobachtet und bedarf weiterer Bestätigung. Bislang wurden keine signifikanten Zusammenhänge mit Kommunikations‑, Motor‑, Problemlösungs‑ oder sozialen Fähigkeiten sowie zerebraler Lähmung nachgewiesen.Dieser Bericht basiert auf Informationen von PLOS Medicine, lizenziert unter Creative Commons BY 4.0 (Open Access). Wissenschaftliche Inhalte, offen zugänglich.
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