Eine aktuelle Studie hat gezeigt, dass die Pupillenreaktion ein objektives Maß für die Farbwahrnehmung von Synästhetikern liefert. Die Untersuchung beantwortet die Fragen, welche physiologischen Signale mit den subjektiven Farberlebnissen einhergehen und ob diese sich von echten Farbreizen unterscheiden.
Methodik
In der Studie wurden sechzehn Graphem‑Farb‑Synästheten sowie zwei alters- und geschlechtsgematchte Kontrollgruppen von je sechzehn Teilnehmern getestet. Während eines konstanten visuellen Stimulus wurden die Pupillen mithilfe eines hochauflösenden Eye‑Trackers gemessen. Die Synästheten berichteten im Anschluss die Helligkeit ihrer erlebten Farben.
Ergebnisse
Die gemessenen Pupillenweiten variierten in direktem Zusammenhang mit der von den Synästheten angegebenen Farbhelligkeit. Bei gleichen physikalischen Lichtbedingungen zeigten die Pupillen der Synästheten dieselbe Kontraktion wie bei echten farbigen Stimuli, während die Kontrollgruppe keine entsprechende Veränderung zeigte.
Die zeitliche Analyse ergab, dass die Pupillenreaktionen bereits innerhalb von 200 ms nach Stimulusbeginn einsetzten – ein Zeitraum, der zu kurz ist, um bewusstes bildhaftes Vorstellen zu erklären. Damit lässt sich ableiten, dass die Farbwahrnehmung bereits auf einer frühen, automatischen Verarbeitungsstufe erfolgt.
Kontrollteilnehmer, die angewiesen wurden, sich Farben zuzuordnen, wiesen hingegen eine stärkere pupiläre Dilatation auf, die mit erhöhter kognitiver Belastung korreliert. Diese Befunde unterstützen die Annahme, dass das Erzeugen von Farbkombinationen für Synästheten mühelos geschieht, während Nicht‑Synästheten aktiv Aufwand investieren müssen.
Interpretation
Die Ergebnisse legen nahe, dass synästhetische Farbwahrnehmung nicht nur subjektiv, sondern auch physiologisch messbar ist. Die Studie positioniert Synästhesie als ein Modell, das die Untersuchung von bewusstseinsrelevanten Phänomenen mit objektiven Messgrößen ermöglicht.
Ausblick
Die vorgestellte Pupillometrie‑Methode könnte künftig auf weitere Formen subjektiver Wahrnehmung, etwa Halluzinationen oder mental erzeugte Bilder, ausgeweitet werden. Damit eröffnet sich ein neuer Forschungsweg zur quantitativen Erfassung von Phänomenen, die bislang nur über Selbstauskunft zugänglich waren.
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