Reale Interaktion mit Cozmo erhöht Anthropomorphisierung, nicht jedoch soziale Achtsamkeit
Eine aktuelle Untersuchung hat geprüft, ob das Social Mindfulness Paradigm (SoMi) als Messinstrument für soziale Achtsamkeit in der Mensch‑Roboter‑Interaktion (HRI) geeignet ist. Das Forscherteam führte zwei Studien durch, in denen Teilnehmer über mehrere Tage mit dem sozialen Roboter Cozmo interagierten und anschließend über überarbeitete SoMi‑Items befragt wurden. Die Ergebnisse zeigen, dass die reale Interaktion die wahrgenommene Anthropomorphisierung des Roboters steigert, jedoch keinen Anstieg sozialer Achtsamkeit bewirkt.
Hintergrund
Das SoMi wurde bislang vorwiegend in Online‑Experimenten mit fiktiven Szenarien eingesetzt, wobei die Items auf mensch‑menschliche Interaktionen (HHI) zugeschnitten waren. Kritiker wiesen darauf hin, dass diese Vorgehensweise die Übertragbarkeit auf HRI einschränken könnte, weil die Kontext‑ und Wertzuweisungen für Roboter nicht berücksichtigt wurden.
Studie Eins: Interaktion mit Cozmo
Im ersten Teil der Untersuchung interagierten die Teilnehmer an drei aufeinanderfolgenden Tagen mit dem sozialen Roboter Cozmo. Vor und nach dem Interaktionszeitraum wurden die wahrgenommene Anthropomorphisierung des Roboters sowie die soziale Achtsamkeit mittels SoMi‑Fragebogen erfasst.
Ergebnisse von Studie Eins
Die Analyse ergab, dass die dreitägige Interaktion keinen signifikanten Einfluss auf die gemessene soziale Achtsamkeit hatte. Gleichzeitig stieg die Bewertung der Anthropomorphisierung des Roboters deutlich an, was darauf hindeutet, dass die Wahrnehmung des Roboters als menschlich‑ähnlich dynamisch ist und durch direkte Erfahrung verändert werden kann.
Studie Zwei: Überarbeitete SoMi‑Items
Im zweiten Teil wurden klassische SoMi‑Items durch neu entwickelte Fragen ersetzt, die sowohl für Menschen als auch für Roboter denselben Wert besitzen. Diese Items wurden zuvor von einer separaten Stichprobe bewertet, um eine gleichwertige Bewertung sicherzustellen.
Ergebnisse von Studie Zwei
Die überarbeiteten Items führten in der anthropomorphen Bedingung nicht zu einer Steigerung der sozialen Achtsamkeit, erhöhten jedoch das Gesamtniveau der gemessenen sozialen Achtsamkeit im Vergleich zu früheren Studien, die ausschließlich menschliche Items nutzten.
Interpretation und Implikationen
Die Befunde legen nahe, dass reale Interaktion allein nicht ausreicht, um soziale Achtsamkeit gegenüber Robotern zu fördern. Stattdessen spielt die Auswahl und Bewertung von Messitems eine entscheidende Rolle. Die Zunahme der Anthropomorphisierung bestätigt theoretische Annahmen, dass diese Wahrnehmung ein dynamischer Prozess ist, der durch Erfahrung moduliert wird.
Ausblick
Die Studie betont die Notwendigkeit, etablierte HHI‑Messinstrumente vor ihrer Anwendung in HRI auf Validität zu prüfen und den Kontext der Interaktion zu berücksichtigen. Zukünftige Forschung sollte unterschiedliche Interaktionsdauer und neu entwickelte Items untersuchen, um ein umfassenderes Bild der sozialen Achtsamkeit gegenüber Robotern zu erhalten.
Dieser Bericht basiert auf Informationen von PLOS ONE, lizenziert unter Creative Commons BY 4.0 (Open Access).
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