Ein aktueller NASA-Bericht zeigt, dass der Hektoria-Gletscher an der Antarktischen Halbinsel zwischen Januar 2022 und März 2023 etwa 25 Kilometer Länge verlor, wobei ein Zeitraum von zwei Monaten einen Rückzug von mehr als 8 Kilometern verzeichnete – die höchste Rate für bodengebundene Eismassen in der modernen Aufzeichnung.
Ergebnisse der Studie
Die Analyse stützt sich auf Landsat‑8‑OLI‑Aufnahmen vom Oktober 2022 und März 2024 sowie auf Laseraltimetrie‑Daten des ICESat‑2‑Satelliten. Wissenschaftler konnten damit den Verlust einer 16‑Kilometer‑langen schwimmenden Eistongue und einer ausgedehnten, flachen Grundfläche bestehenden Eisscheibe nachweisen.
Ursachen des RĂĽckzugs
Laut den Forschern ermöglichte die spezielle Geometrie des Gletschers – ein auf Land beginnender Fluss, der in ein dickes, schwimmendes Eisplateau übergeht – das Eindringen von Meerwasser während Hochwasser, was zu einer schwimmungsgetriebenen Kalbung führte. Der Zusammenbruch der Larsen‑B‑Eisscheibe im Jahr 2002 hatte zuvor die Stabilität des Gletschers verringert, sodass weitere Rückzüge begünstigt wurden.
Im Januar 2022 brach das landfeste Meereis im Larsen‑B‑Einbucht aufgrund großer Ozeanschwingungen zusammen, was den sofortigen Verlust der Eistongue auslöste. In einer Serie von Kalbungen ging dabei ein Abschnitt von 16 Kilometern verloren.
Nachwirkungen und Stabilisierung
Nach dem Winter 2022 blieb das Gletschervordere relativ stabil, jedoch zeigte die Laseraltimetrie eine fortgesetzte Abnahme der Eisdicke. Seismische Messungen bestätigten, dass das verbleibende Eis weiterhin bodengebunden war, während darunter Erdbeben auftraten.
Der Lead‑Autor Naomi Ochwat, Glaziologe an der Universität Innsbruck, weist darauf hin, dass ähnliche Prozesse bei größeren Gletschern zu deutlich stärkeren Auswirkungen auf den Meeresspiegel führen könnten.
Ausblick und neue Technologien
Die Forscher betonen, dass kommende Satelliten wie NISAR und SWOT die Beobachtung schneller Gletscherrückzüge verbessern werden. NISAR könne Bewegungen von Eisflächen auf Zentimeter‑Genauigkeit erfassen, während SWOT feine Veränderungen der Oberflächenhöhe von Wasser- und Eiskörpern messen könne.
Scambos, Senior Research Scientist an der University of Colorado Boulder, schätzt, dass der Hektoria-Gletscher nun in ein langsameres Rückzugsstadium übergehe und schließlich zu einem Fjord umgestalte.
Dieser Bericht basiert auf Informationen von NASA, lizenziert unter Public Domain (U.S. Government Work).
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