In der schwedischen Region Västra Götaland sank die Inzidenz invasiver Pneumokokken-Erkrankungen (IPD) bei Kindern unter zwei Jahren deutlich, während bei Personen ab 65 Jahren kaum Veränderungen zu beobachten waren. Insgesamt wurden im Zeitraum 2009–2019 2 288 IPD‑Fälle erfasst, was einer Inzidenz von 12,8 pro 100 000 Einwohner pro Jahr entspricht.
Hintergrund
Seit der Einführung konjugierter Pneumokokken‑Impfstoffe im Kinderimpfprogramm im Jahr 2009 gilt die Eindämmung von IPD als zentrales Ziel der öffentlichen Gesundheit. Vorangegangene Analysen aus derselben Region lieferten Daten über einen Zeitraum von 56 Jahren, die als Vergleichsbasis dienten.
Methodik
Forscher sammelten retrospektiv klinische Daten aus medizinischen Akten zu allen 2 288 aufeinanderfolgenden IPD‑Episoden. Die Inzidenzraten wurden anhand von Bevölkerungsdaten des gleichen Zeitraums berechnet und mit früheren Studien verglichen.
Inzidenz und Hochrisikogruppen
Besonders hohe Inzidenzraten wurden bei Patienten mit multiplem Myelom (1 497 pro 100 000) und chronischer lymphatischer Leukämie (505 pro 100 000) beobachtet. Insgesamt traten in 604 Fällen (26,4 %) Komplikationen wie parapneumonische Ergüsse und Empyeme auf.
Altersgruppen im Vergleich
Bei Kindern unter zwei Jahren zeigte sich Meningitis in 26 % der Fälle, während sie bei Senioren ab 65 Jahren nur 4,3 % ausmachte (12 von 46 versus 60 von 1 403, p < 0,001). Das Gegenteil galt für Pneumonie, die 22 % der Fälle bei Kleinkindern, jedoch 77 % bei älteren Patienten ausmachte (10 von 46 versus 1 085 von 1 403, p < 0,001).
Entwicklung im Vergleich zu frĂĽheren Perioden
Im Vergleich zur Vorperiode 1996–2008 sank die Inzidenz bei Kindern unter zwei Jahren von 22,5 auf 10,7 pro 100 000, während bei Erwachsenen ab 65 Jahren nur ein leichter Rückgang von 45,0 auf 41,2 pro 100 000 verzeichnet wurde. Die Fallsterblichkeitsrate stieg von 9,9 % auf 12,9 %, was laut den Forschern auf das höhere Durchschnittsalter und vermehrte Begleiterkrankungen zurückzuführen ist.
Schlussfolgerungen
Die Einführung des allgemeinen Kinderimpfprogramms führte zu einem deutlichen Rückgang der IPD‑Inzidenz bei Säuglingen und Kleinkindern, jedoch nicht bei älteren Menschen. Patienten mit hämatologischen Malignitäten bleiben ein besonders vulnerabler Personenkreis, für den weitere Präventionsmaßnahmen erforderlich sind.
Dieser Bericht basiert auf Informationen von PLOS ONE, lizenziert unter Creative Commons BY 4.0 (Open Access). Wissenschaftliche Inhalte, offen zugänglich.
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