Senegal setzt Maputo-Protokoll zur Abtreibung nicht um
Am 27. Dezember 2025 berichtete Global Voices über die anhaltenden Schwierigkeiten bei der Umsetzung des Rechts auf medizinische Abtreibung im Senegal, obwohl das Land das Maputo‑Protokoll bereits 2004 ratifiziert hat.
Internationaler Rechtsrahmen
Das am 27. Dezember 2004 unterzeichnete Maputo‑Protokoll der Afrikanischen Union verpflichtet die Unterzeichnerstaaten, medizinische Abtreibung in Fällen von sexueller Gewalt, Vergewaltigung, Inzest sowie bei Gefährdung der physischen oder psychischen Gesundheit der Mutter zu erlauben (Artikel 14).
Nationales Strafrecht
Im Senegal verbietet Artikel 305 des Strafgesetzbuches Abtreibungen, außer in eng begrenzten therapeutischen Situationen, die das Leben der Mutter retten sollen. Diese gesetzliche Lücke zwingt Frauen, die Opfer von Vergewaltigung oder Inzest sind, häufig dazu, die Schwangerschaft auszutragen.
Statistische Hinweise
Laut dem französischen Informationsportal Prison‑Insider wurden im Jahr 2024 bis zu 46 % der in der Haftanstalt Liberté VI in Senegal inhaftierten Frauen wegen Kindesmordes verurteilt, was das Ausmaß der Problematik verdeutlicht.
Religiöse und kulturelle Argumente
Obwohl rund 95 % der senegalesischen Bevölkerung muslimisch ist, definiert die Verfassung des Landes den Staat als säkular, demokratisch und sozial. Dennoch werden religiöse Überzeugungen häufig als Begründung für das Verbot von Abtreibungen angeführt. Einige islamische Traditionen sehen die Seele erst nach 120 Tagen im Fötus, was eine frühzeitige Schwangerschaftsunterbrechung nicht als Tötung klassifiziert.
Reaktionen von Nichtregierungsorganisationen
Die Menschenrechtsorganisationen International Federation for Human Rights (FIDH), Senegalese League of Human Rights (LSDH) und African Assembly for the Defence of Human Rights (RADDHO) veröffentlichten 2024 einen Bericht, der die Nicht‑Umsetzung von Artikel 14 kritisiert. Die NGO JGEN forderte ebenfalls eine Gesetzesänderung, um die Kriminalisierung von Opfern sexueller Gewalt zu beenden.
Fehlende gesetzgeberische Maßnahmen
Bislang hat die senegalesische Regierung keine Gesetzesinitiative ergriffen, um das Maputo‑Protokoll in nationales Recht zu überführen. Beobachter verweisen darauf, dass die bestehende Rechtslage im Widerspruch zu den internationalen Verpflichtungen des Landes steht.
Ausblick
Die Kombination aus restriktivem Strafrecht, gesellschaftlichen Überzeugungen und fehlender politischer Umsetzung führt dazu, dass Frauen im Senegal weiterhin mit erheblichen gesundheitlichen und rechtlichen Risiken konfrontiert sind, insbesondere wenn sie Opfer sexueller Gewalt werden.
Dieser Bericht basiert auf Informationen von Global Voices, lizenziert unter Quelle beachten. Lizenzangabe konnte nicht eindeutig zugeordnet werden.
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