Im November letzten Jahres haben NASA und europäische Partner den Sentinel‑6B‑Satelliten in den Orbit gebracht, um die Vorhersage von Hurrikans während des aktuellen El Niño‑Ereignisses zu verbessern. Der Satellit folgt dem bereits im Einsatz befindlichen Sentinel‑6 Michael Freilich mit einem Abstand von etwa 30 Sekunden und liefert präzise Messungen des Meeresspiegels, der Wellenhöhe und der Meereswindgeschwindigkeit.
Mission und Zielsetzung
Sentinel‑6B ist Teil der Copernicus‑Sentinel‑6/Jason‑CS‑Mission, die seit den frühen 1990er‑Jahren kontinuierlich Ozeandaten sammelt. Gemeinsam mit seinem Vorgänger bildet er ein Radar‑Altimetrie‑System, das die Höhe der Meeresoberfläche sowie atmosphärische Parameter erfasst, um die Wärmeverteilung im Ozean zu quantifizieren.
Datenbereitstellung und Anwendung
Seit dem 15. Juli 2024 liefert Sentinel‑6B Niedriglatenz‑Daten, die nach ihrer Aufbereitung in Wetter‑ und Klimamodelle einfließen. Diese Modelle unterstützen Bundes‑ und Landesbehörden bei der Planung von Katastrophen‑ und Evakuierungsmaßnahmen, etwa durch frühzeitige Warnungen für Küstengemeinden.
Expertenmeinungen
Josh Willis, Projektwissenschaftler von Sentinel‑6B am Jet‑Propulsion‑Labor, erklärte, dass das aktuelle El Niño‑Ereignis erst zur Jahresmitte an Stärke gewonnen habe und nun mit früheren starken El Niños von 1997 und 2015 vergleichbar sei. Deirdre Byrne, Ozeanograf bei NOAA, betonte, dass die neuen Messungen helfen sollen, die Intensivierung von Hurrikans in den kritischen 48 Stunden vor dem Landfall besser abzuschätzen.
Technische Messverfahren
Jeder Satellit nutzt einen Radar‑Altimeter, der tausende Radar‑Impulse pro Sekunde von den Wellenkämmen reflektiert und so die genaue Meeresoberflächenhöhe bestimmt. Zusätzlich misst das GNSS‑RO‑Instrument (Global Navigation Satellite System – Radio Occultation) atmosphärische Eigenschaften wie Feuchte, Druck und Temperatur, die für Wettermodelle relevant sind.
Langzeitbeobachtungen
Die Sentinel‑6‑Reihe setzt die Messreihe fort, die 1992 mit TOPEX/Poseidon begann. Durch die konsequente Nutzung derselben Messmethoden über fast vier Jahrzehnte entsteht ein konsistenter Datensatz, der für die Bewertung des globalen Meeresspiegelanstiegs und der Klimadynamik unverzichtbar ist.
Internationale Zusammenarbeit
Die Mission wurde von ESA, EUMETSAT, NASA, NOAA und der Europäischen Kommission gemeinsam entwickelt. Das Jet‑Propulsion‑Labor lieferte drei wissenschaftliche Instrumente – den Advanced Microwave Radiometer, das GNSS‑RO und das Laser‑Retroreflector‑Array – sowie Start‑ und Bodensysteme für die Satelliten.
Zukünftige Integration
Sentinel‑6B wird voraussichtlich noch in diesem Jahr zum primären Referenzsatelliten für globale Meeresspiegelmessungen. NOAA plant, die Ozeanhöhen‑Daten bis zum Jahresende in ihr Satellite Ocean Heat Content Suite‑Algorithmus zu integrieren, um die Genauigkeit von Hurrikan‑Vorhersagen weiter zu steigern.
Weiterführende Informationen
Weitere Details zur Sentinel‑6B‑Mission und zu den verfügbaren Datensätzen finden Sie auf der NASA‑Wissenschaftsseite: https://science.nasa.gov/mission/sentinel-6B
Dieser Bericht basiert auf Informationen von NASA, lizenziert unter Public Domain (U.S. Government Work).
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