Hintergrund
Die Verfügbarkeit von Antimikrobiell‑Verordnungsleitlinien ist ein zentrales Element von Antimikrobiell‑Steuerungsprogrammen. In Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen kann der Zugang über Smartphone‑Applikationen erleichtert werden.
Methodik
Ein offenes Kohorten‑Stepped‑Wedge‑Cluster‑Randomisierungs‑Design wurde von 2021 bis 2022 in sechs laotischen Krankenhäusern durchgeführt. Die Intervention bestand aus einer Smartphone‑App, die die nationalen Antimikrobiell‑Leitlinien von 2021 sowie ein Antimikrobiell‑Steuerungs‑Training enthielt. Die Vergleichsgruppe nutzte die gleiche Leitlinie in Papierform. Die Hauptauswertung erfolgte über wiederholte Punktprävalenz‑Erhebungen im Abstand von etwa vier Monaten, analysiert mit einem gemischten‑Effekte‑Regressionsmodell unter Berücksichtigung von Zeit und Cluster.
Ergebnisse im stationären Bereich
Von 3 561 stationären Patienten‑Verordnungen zeigte die Papiergruppe eine Leitlinien‑Einhaltung von 17,0 % (95 %‑KI [15,0;19,0]), während die App‑Gruppe 25,6 % (95 %‑KI [23,1;28,3]) erreichte. Nach Adjustierung für Zeit, Cluster, Interventionssequenz, Alter, Geschlecht, Verordnungsindikation und Abteilung ergab das angepasste Odds‑Ratio (aOR) 1,26 (95 %‑KI [0,8;1,9]; p = 0,276), was keinen signifikanten Unterschied bedeutete.
Ergebnisse im ambulanten Bereich
Auch bei ambulanten Patienten zeigte sich kein signifikanter Unterschied (aOR = 0,91; 95 %‑KI [0,7;1,1]; p = 0,406). Die Einhaltung variierte jedoch nach Zeitpunkt der Intervention: Das erste Krankenhausbündel erreichte 32,1 % (302/940; 95 %‑KI [29,1;35,2]), das letzte 19,1 % (241/1 261; 95 %‑KI [16,9;21,4]), mit einem aOR von 1,95 (95 %‑KI [1,4;2,7]; p < 0,001).
Diskussion
Die Studie belegt, dass Smartphone‑Technologie die Verfügbarkeit von Leitlinien in einem Land mit begrenzten Ressourcen sicherstellen kann. Dennoch führte die digitale Bereitstellung nicht zu dem vorab festgelegten Anstieg der Leitlinien‑Einhaltung. Ein Limitation war, dass Verordnungen nicht eindeutig einzelnen Ärzten zugeordnet werden konnten, sodass individuelle Verhaltensänderungen nicht nachgewiesen werden konnten.
Fazit
Die Ergebnisse zeigen, dass digitale Leitlinien‑Verbreitung allein nicht ausreicht, um die Einhaltung signifikant zu erhöhen. Weitere Faktoren, etwa Schulungen, organisatorische Rahmenbedingungen und Monitoring, müssen berücksichtigt werden, um die Wirksamkeit von Antimikrobiell‑Steuerungsprogrammen zu steigern.
Dieser Bericht basiert auf Informationen von PLOS Medicine, lizenziert unter Creative Commons BY 4.0 (Open Access). Wissenschaftliche Inhalte, offen zugänglich.
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