Eine aktuelle Studie aus Schweden und Deutschland hat gezeigt, dass der sozioökonomische Status (SES) die Ergebnisse einer dreijÀhrigen, verhaltens- und lebensstilbasierten Therapie gegen kindliche Adipositas beeinflusst, wobei die Effekte zwischen den beiden LÀndern variieren.
Studienaufbau und Datenbasis
Die Untersuchung basiert auf zwei Kohorten: dem schwedischen Childhood Obesity Treatment Register (BORIS) und dem deutsch/österreichisch/schweizerischen Adiposity Patients Register (APV). Insgesamt wurden 45âŻ804 Kinder mit Adipositas erfasst, von denen 31âŻ293 (18âŻ588 in Schweden und 12âŻ705 in Deutschland) mindestens sechs Monate Therapie erhalten hatten. Der SES wurde in Schweden mittels eines individuellen Index und in Deutschland ĂŒber einen rĂ€umlichen Index in Quintile eingeteilt. Analysiert wurden Ănderungen des BodyâMassâIndexâStandardâScore (BMIâSDS), Remissionsraten und TherapieabbrĂŒche, jeweils angepasst an Geschlecht, AusgangsâObesitĂ€tsgrad, Altersgruppe und Migrationshintergrund.
Ergebnisse: BaselineâBMI und sozioökonomischer Status
In beiden LĂ€ndern zeigte sich ein signifikanter Zusammenhang zwischen niedrigerem SES und einem höheren AusgangsâBMIâSDS (pâŻ<âŻ0,001), sodass Kinder aus sozial schwĂ€cheren Schichten bereits zu TherapieÂbeginn stĂ€rker von Ăbergewicht betroffen waren.
Ergebnisse Schweden: Keine signifikante Wirkung
In Schweden konnte kein statistisch signifikanter Zusammenhang zwischen dem SES und der VerĂ€nderung des BMIâSDS ĂŒber die Behandlungsdauer nachgewiesen werden (pâŻ=âŻ0,143). Das durchschnittliche MaĂ der BMIâSDSâReduktion unterschied sich demnach nicht merklich zwischen den SESâQuintilen.
Ergebnisse Deutschland: GröĂere Reduktion bei höherem SES
In Deutschland hingegen war ein höherer SES mit einer stĂ€rkeren Reduktion des BMIâSDS verbunden (pâŻ<âŻ0,001). Nach zwei Behandlungsjahren betrug die Reduktion im höchsten SESâQuintil â0,36 (95âŻ%âŻCIâŻ[â0,38,âŻâ0,34]), nach drei Jahren â0,34 (95âŻ%âŻCIâŻ[â0,38,âŻâ0,29]). Der Unterschied zwischen höchstem und niedrigstem SES war nach zwei Jahren am gröĂten (â0,12, 95âŻ%âŻCIâŻ[â0,13,âŻâ0,12]) und nach drei Jahren leicht reduziert (â0,05, 95âŻ%âŻCIâŻ[â0,07,âŻâ0,03]).
Remission und Abbruch der Behandlung
Die Wahrscheinlichkeit einer ObesitĂ€tsremission wies in beiden LĂ€ndern einen sozioökonomischen Gradient auf: In Schweden lag die Adjustierte Remissionswahrscheinlichkeit im höchsten SESâQuintil bei 0,49 gegenĂŒber 0,37 im niedrigsten Quintil; in Deutschland 0,53 gegenĂŒber 0,45. Die entsprechenden RateâRatios betrugen 1,63 (95âŻ%âŻCIâŻ[1,44,âŻ1,86]) bzw. 1,35 (95âŻ%âŻCIâŻ[1,22,âŻ1,50]) (pâŻ<âŻ0,001 fĂŒr beide). In Deutschland war das Risiko eines Therapieabbruchs bei höherem SES signifikant niedriger (Odds RatioâŻ0,82, 95âŻ%âŻCIâŻ[0,74,âŻ0,90], pâŻ<âŻ0,001), wĂ€hrend in Schweden kein Zusammenhang erkennbar war.
Interpretation und Schlussfolgerungen
Die Studie verdeutlicht, dass der SES in Deutschland mit besseren Therapieergebnissen verbunden ist, wÀhrend in Schweden keine derartigen Unterschiede beobachtet wurden. Die Autoren weisen darauf hin, dass Messunterschiede und lÀnderspezifische Kontextfaktoren eine Rolle spielen könnten und dass unbeobachtete klinische sowie familiÀre Faktoren das Ergebnis potenziell verfÀlschen können. Insgesamt bestÀtigt die Analyse, dass sozioökonomische Ungleichheiten die Behandlung von kindlicher Adipositas beeinflussen, wobei die AusprÀgung dieser Ungleichheiten lÀnderspezifisch variiert.
Dieser Bericht basiert auf Informationen von PLOS Medicine, lizenziert unter Creative Commons BY 4.0 (Open Access). Wissenschaftliche Inhalte, offen zugÀnglich.
Ende der Uebertragung