In Kambodscha leben zehntausende Menschen ohne Staatsangehörigkeit, die vietnamesische Wurzeln haben. Laut Angaben des UN-Flüchtlingshilfswerks (UNHCR) sind etwa 77 000 Personen von dieser Situation betroffen, was ihnen den Zugang zu staatlichen Leistungen, medizinischer Versorgung und Bildung verwehrt.
Ausmaß und Zahlen
Eine Volkszählung von 2019 verzeichnete 78 090 Personen, deren Muttersprache Vietnamesisch ist. Das Innenministerium sprach von 180 690 „vietnamesischen Staatsangehörigen“ im Land, während zivilgesellschaftliche Schätzungen von 400 000 bis 700 000 Menschen der ethnischen Gruppe ausgehen. Die UNHCR nennt 75 000 staatenlose Personen, von denen die Mehrheit vietnamesische Wurzeln hat.
Historischer Hintergrund
Die Beziehungen zwischen Kambodscha und Vietnam sind von Kolonialzeit, Kaltem Krieg und internen Konflikten geprägt. Während der Herrschaft der Roten Khmer (1975‑1979) wurden Vietnamesen verfolgt und zur Flucht gezwungen. Die anschließende einjährige Besetzung Kambodschas durch Vietnam verstärkte anti‑vietnamesische Ressentiments, die bis heute in Teilen der Bevölkerung nachwirken.
Rechtliche Hürden
Ein Bericht von Women Peace Makers und Nationality For All (Juni 2024) beschreibt, dass langjährig in Kambodscha lebende Personen vietnamesischer Abstammung kaum Zugang zu Geburts- und Personenstandsregistern erhalten. Änderungen der Einbürgerungspolitik erschweren den Nachweis der Zugehörigkeit, während gesellschaftliche Vorurteile weitere Barrieren schaffen.
Persönliche Schilderungen
Ein in Kambodscha geborener Mann, Anh Nguyen, berichtet, dass ihm die Staatsbürgerschaft verweigert wird, obwohl er dort aufgewachsen ist. Er muss für die Aufenthaltsgenehmigung seiner Familie zahlen und wird häufig mit dem abwertenden Begriff „yuon“ beschimpft. Ähnlich schildert Giang Duong, dass ihr vietnamesischer Akzent die Ausstellung eines kambodschanischen Passes behindert, obwohl sie alle erforderlichen Dokumente besitzt.
Reaktionen von Organisationen
Forscherin Sovinda Po vom ISEAS‑Yusof Ishak Institute betont, dass Inklusion und Aufklärung zentrale Schritte seien, um anti‑vietnamesische Vorurteile zu reduzieren. Die zivilgesellschaftlichen Gruppen fordern von der kambodschanischen Regierung, die Politik zu ändern und den 77 000 staatenlosen Personen die Staatsbürgerschaft zu gewähren, um ihre Teilhabe am gesellschaftlichen Leben zu ermöglichen.
Ausblick
Ein nachhaltiger Ansatz erfordere ein vielschichtiges Vorgehen, das rechtliche Reformen, Aufklärungskampagnen und die Förderung von gegenseitigem Respekt vereint. Ohne solche Maßnahmen bleibt die betroffene Gruppe von grundlegenden Rechten ausgeschlossen und lebt in extremer Armut, häufig in schwimmenden Häusern am Tonle‑Sap-See.
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