Die anhaltenden Spannungen im strategisch wichtigen Schifffahrtsweg zwischen Iran und Oman haben laut den Vereinten Nationen bereits spürbare Folgen für humanitäre Hilfsprogramme in mehreren Regionen, insbesondere in Afrika und Afghanistan. Experten betonen, dass steigende Energiepreise die Kosten für Lebensmittel und Transport erhöhen und damit die Versorgung vulnerabler Bevölkerungsgruppen gefährden.
Steigende Nahrungsmittelunsicherheit
Der stellvertretende Exekutivdirektor des Welternährungsprogramms (WFP), Carl Skau, warnte, dass bei einem Ölpreis von über 100 US‑Dollar pro Barrel bis Juli bis zu 45 Millionen Menschen zusätzlich von Hunger bedroht sein könnten. Bereits jetzt seien in Somalia 2,5 Millionen Menschen akut von Nahrungsmittelunsicherheit betroffen, in Afghanistan 2,3 Millionen und in Sri Lanka 1,3 Millionen Menschen in akute Hungerlage geraten.
Kostenexplosion im humanitären Sektor
Jean‑Cédric Meeus, Leiter des globalen Transports bei UNICEF, erklärte, dass Luftfrachtkosten für Impfstoffe von Indien nach Äthiopien, Nigeria und der Demokratischen Republik Kongo um bis zu 70 Prozent gestiegen seien. Die Transportkosten für therapeutische Lebensmittel nach Somalia, Südsudan und die DRC seien um ein Drittel höher, während Seefracht für Bildungsmaterial nach Jemen und Mosambik um bis zu 150 Prozent zugenommen habe. UNICEF schätzt, dass diese Lieferverzögerungen kritische Hilfsgüter um vier bis sechs Monate zurückwerfen könnten.
Logistische Engpässe
Durch Umleitungen um das Kap der Guten Hoffnung verlängern sich die Seetransportzeiten um zwei bis vier Wochen, während die Luftfrachtkapazitäten über den Nahost‑Routen stark eingeschränkt sind. Der UN‑Kinderhilfsfonds weist darauf hin, dass höhere Transportkosten weniger Mittel für lebensrettende Lieferungen bedeuten und dadurch das Risiko für Kinder in Krisengebieten steigt.
Wirtschaftliche Belastungen für schwächere Länder
Eine Analyse der UN-Konferenz für Handel und Entwicklung (UNCTAD) zeigt, dass von 75 untersuchten vulnerablen Volkswirtschaften 65 Netto‑Ölimporteuren sind, die zusammen fast eine Milliarde Menschen beherbergen, von denen über 30 Prozent mit weniger als drei US‑Dollar pro Tag leben. Ein anhaltender Anstieg der raffinierten Ölpreise um 50 Prozent könnte die Importkosten dieser Länder um mehr als 20 Milliarden US‑Dollar pro Jahr erhöhen; für einige Staaten könnte dies mehr als fünf Prozent des BIP ausmachen.
Ausblick der Vereinten Nationen
Generalsekretär António Guterres betonte, dass die anhaltende Unsicherheit im Golf von Hormus die globale Wirtschaft belaste, die Inflation antreibe und die humanitäre Lage verschärfe. Er forderte verstärkte Finanzierungen für Hilfsorganisationen, um die wachsende Nachfrage zu decken und die Lieferketten zu stabilisieren. Laut Skau spielen sich die bereits vor wenigen Wochen prognostizierten Risiken nun in Echtzeit ab.
Dieser Bericht basiert auf Informationen von United Nations, lizenziert unter Public Data / Terms of Use (Attribution Required). Quelle unterliegt den Nutzungsbedingungen der jeweiligen internationalen Organisation.
Ende der Ăśbertragung