International: Studie zu Diskursen über sexuelle Belästigung an europäischen Universitäten
Eine aktuelle Untersuchung hat die Sichtweisen von 90 Schlüsselpersonen an sechs europäischen Hochschulen zu sexueller Belästigung erfasst. Die Befragungen fanden zwischen November 2023 und April 2024 statt und umfassten Studentenvertreter, Universitätsmitarbeiter und Vertreter von Gleichstellungs- und Diversitätsstellen.
Methodik
Die Studie verwendet einen qualitativen Ansatz mit halbstrukturierten Interviews, die anschließend einer Kritischen Diskursanalyse unterzogen wurden. Die teilnehmenden Institutionen befanden sich in Österreich, Belgien, Italien, Polen, Portugal und Spanien.
Wahrnehmung des Phänomens
Die Befragten beschrieben sexuelle Belästigung als ein mehrdimensionales Phänomen, das physische, verbale, nonverbale, offline‑ und online‑Verhaltensweisen einschließt. Zentrale Elemente waren das Überschreiten zwischenmenschlicher Grenzen, das Fehlen von Einwilligung, Machtungleichgewichte und negative Auswirkungen auf das Wohlbefinden der Betroffenen.
Diskursive Ansätze
Die Definitionen ließen sich in drei Diskursformen einordnen: einen normativen Ansatz, einen erfahrungsbasierten Ansatz und einen integrativen Ansatz. Die Ausprägungen variierten nach Geschlecht und institutioneller Rolle der Befragten.
Diskurse zu potenziellen Opfern
Zwei Hauptdiskurse wurden identifiziert. Der intersektionale Diskurs verknüpft die Verwundbarkeit mit überlappenden sozialen Ungleichheiten wie Geschlecht, Alter, Hierarchiestatus, sexueller Orientierung, ethnischer Herkunft, Migrationshintergrund, Behinderung oder ökonomischer Abhängigkeit. Der situative Diskurs betont Risiken, die sich aus strukturellen Dynamiken der Hochschule ergeben, etwa Hierarchie und Abhängigkeit, unabhängig von individuellen Merkmalen.
Diskurse zu potenziellen Tätern
Ein dominanter hierarchischer Diskurs verknüpft Täter mit Männern in Führungspositionen. Zwei Minderheitsdiskurse ergänzen das Bild: ein Peer‑Perpetrations‑Diskurs, der Belästigung unter Personen ähnlicher Hierarchiestufe – insbesondere Studenten – thematisiert, sowie ein Diskurs über psychologische Merkmale, der Täter mit Eigenschaften wie Narzissmus, Manipulation oder Egozentrik assoziiert.
Implikationen für die Hochschulpolitik
Die Ergebnisse legen nahe, dass universitäre Richtlinien intersektionale und geschlechtertransformative Perspektiven integrieren sollten, um ein egalitäres und sicheres akademisches Umfeld zu fördern. Die Studie liefert damit eine evidenzbasierte Grundlage für die Weiterentwicklung von Präventions- und Interventionsstrategien.
Dieser Bericht basiert auf Informationen von PLOS ONE, lizenziert unter Creative Commons BY 4.0 (Open Access). Wissenschaftliche Inhalte, offen zugänglich.
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