Eine aktuelle Untersuchung hat geprĂŒft, ob hĂ€ufige Varianten im dopaminergen System die Abnahme der Verarbeitungsgeschwindigkeit ĂŒber zwölf Jahre sowie die kognitive LeistungsfĂ€higkeit im Alter von siebzig Jahren beeinflussen. Die Analyse ergab keine statistisch signifikanten Effekte nach Korrektur fĂŒr Mehrfachtests.
Hintergrund
Im Kontext einer weltweit alternden Bevölkerung gilt das VerstĂ€ndnis der Mechanismen kognitiver Alterungsprozesse als gesundheitspolitische PrioritĂ€t. Die Verarbeitungsgeschwindigkeit nimmt typischerweise mit dem Alter ab und gilt als PrĂ€diktor fĂŒr Demenzrisiken. Vorangegangene Bildgebungsstudien haben eine Verbindung zwischen der IntegritĂ€t des dopaminergen Systems und kognitiver Leistung gezeigt, wĂ€hrend der Beitrag genetischer Variation bislang unklar blieb.
Methodik
Forscher analysierten 1.539 Teilnehmer der University of Manchester Longitudinal Study of Cognition in Normal Healthy Old Age. Insgesamt 89 unabhĂ€ngige Varianten aus neun dopaminergen Genen (TH, DDC, DRD1â3, SLC6A3, COMT, DBH, PPP1R1B) wurden aus 957 SNPs ausgewĂ€hlt. Einzelne Varianten, genbasierte Tests und ein ungewichteter AllelâScore fĂŒr den gesamten Dopaminweg wurden in Bezug auf die Verarbeitungsgeschwindigkeit, Fluid Reasoning, episodisches GedĂ€chtnis und Wortschatz untersucht. ZusĂ€tzlich wurden postmortale Daten zu Neuropathologie (nâŻ=âŻ116) und Synapsendichte (nâŻ=âŻ50) einbezogen.
Ergebnisse
Kein einzelner SNP, kein Gen und kein AllelâScore erreichte die BonferroniâSchwelle von pâŻ<âŻ5,62âŻĂâŻ10â»âŽ. Nominale Signale zeigten sich fĂŒr DRD2 rs10789943 (pâŻ=âŻ0,0066) und DBH rs2005663 (pâŻ=âŻ0,0074) bei der Geschwindigkeitsabnahme sowie fĂŒr DRD2 rs11214607 (pâŻ=âŻ0,0025) bei der Leistung im Alter von siebzig Jahren, jedoch ohne KorrekturbestĂ€tigung. Geneâbasierte Tests blieben nicht signifikant (stĂ€rkste Werte: DRD2 fĂŒr Steigungen pâŻ=âŻ0,063, fĂŒr Intercepts pâŻ=âŻ0,019). Der DopaminâPfadâAlelâScore war weder mit dem Abfall der Verarbeitungsgeschwindigkeit (ÎČâŻ=âŻ0,001, pâŻ=âŻ0,969) noch mit der Leistung (ÎČâŻ=âŻ0,009, pâŻ=âŻ0,721) assoziiert. Ăhnliche Nullbefunde traten bei Fluid Reasoning, episodischem GedĂ€chtnis, Wortschatz und den postmortalen Analysen auf.
Diskussion
Die Studie hatte 80âŻ% Power, einzelne Varianten zu identifizieren, die mindestens 1,19âŻ% der Varianz erklĂ€ren, und AllelâScoreâEffekte von mindestens 0,51âŻ% Varianz. Das Fehlen signifikanter Befunde legt nahe, dass moderate bis groĂe Effekte hĂ€ufiger dopaminerger Varianten auf kognitive Alterungsprozesse unwahrscheinlich sind. Kleinere Effekte, seltene Varianten, epigenetische Regulation oder GenâUmweltâInteraktionen könnten jedoch weiterhin eine Rolle spielen.
Schlussfolgerungen
Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass hĂ€ufige dopaminerge Genvarianten keinen wesentlichen Beitrag zu den beobachteten VerĂ€nderungen der Verarbeitungsgeschwindigkeit und anderer kognitiver DomĂ€nen im höheren Alter leisten. ZukĂŒnftige Forschung sollte seltene Varianten, epigenetische Mechanismen und Umweltfaktoren stĂ€rker berĂŒcksichtigen.
Dieser Bericht basiert auf Informationen von PLOS ONE, lizenziert unter Creative Commons BY 4.0 (Open Access). Wissenschaftliche Inhalte, offen zugÀnglich.
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