Sonstige: Studie fordert stärkere Durchsetzung von Daten‑Sharing‑Richtlinien in systematischen Reviews
Ein Policy‑Forum in der Fachzeitschrift PLOS Medicine fordert die Einführung verbindlicherer Mechanismen zum Teilen von Datensätzen und Analyse‑Code, die für systematische Übersichten und Metaanalysen nötig sind. Die Autoren Saul Martin‑Rodriguez, Rodrigo Fernandez‑Gonzalo und David Moher betonen, dass diese Studien die Basis für klinische Leitlinien und Gesundheitspolitik bilden.
Bedeutung von Daten‑Transparenz
Systematische Reviews beruhen auf den zugrunde liegenden Rohdaten und dem zugehörigen Code. Ohne vollständigen Zugriff sind Forschende gezwungen, unvollständige oder inkonsistent berichtete Summenstatistiken zu imputieren und Annahmen zu treffen, die die Ergebnisgenauigkeit verfälschen können.
Risiken unvollständiger Daten
Die Autoren weisen darauf hin, dass fehlerhafte Evidenzsynthesen falsche Therapieempfehlungen, unnötige Gesundheitsausgaben und Gefahren für die Patientensicherheit nach sich ziehen können. Historische Beispiele wie die Hormonersatztherapie illustrieren, wie fehlerhafte Analysen zu breiten Fehlentscheidungen führen können.
Aktueller Stand der Daten‑Sharing‑Praxis
Trotz zahlreicher Daten‑Sharing‑Richtlinien bleibt die Einhaltung niedrig, die Durchsetzung schwach und das Monitoring nahezu nicht existent. Viele Datensätze bleiben nach wie vor nicht verfügbar oder nur schwer zugänglich.
Vorgeschlagene MaĂźnahmen
Die Autoren empfehlen klarere Durchsetzungsmechanismen und pragmatische Verifikationsansätze im redaktionellen Workflow. Dazu gehören verpflichtende Datenverfügbarkeits‑Erklärungen, systematische Prüfungen durch Gutachter und automatisierte Kontrollen vor der Publikation.
Durch die Umsetzung solcher Maßnahmen könnte die Zuverlässigkeit von Evidenzsynthesen gesteigert und die Grundlage für fundierte klinische Entscheidungen gestärkt werden. Gleichzeitig ließe sich der Ressourcenverschwendung entgegenwirken, die aus fehlerhaften Analysen resultiert.
Der Aufruf reiht sich in die breitere Bewegung für offene Wissenschaft ein, bei der weitere Fachzeitschriften bereits ähnliche Richtlinien eingeführt haben, deren Einhaltung jedoch stark variiert.
Die Autoren betonen, dass die Realisierung dieser Empfehlungen die enge Zusammenarbeit von Verlagen, Förderinstitutionen und Forschungseinrichtungen erfordere, um ein konsistentes und überprüfbares Daten‑Sharing‑Umfeld zu schaffen.
Dieser Bericht basiert auf Informationen von PLOS Medicine, lizenziert unter Creative Commons BY 4.0 (Open Access). Wissenschaftliche Inhalte, offen zugänglich.
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