Ein Forscherteam hat in einer aktuellen Veröffentlichung in eLife gezeigt, dass die bisher angenommene Hauptfunktion des TANGO2‑Proteins – der Transport von Häm – nicht ausreichend belegt ist. Die Autoren argumentieren, dass bioenergetische Defizite und oxidativer Stress eher zentrale Rollen in der Pathophysiologie von TANGO2‑Defizienz spielen.

Hintergrund

Mutationen im TANGO2‑Gen sind mit einer schweren neurometabolischen Störung beim Menschen verbunden, die häufig in lebensbedrohlichen metabolischen Krisen endet. Bisher wurde vermutet, dass das Protein Häm von Bereichen hoher Konzentration zu Bereichen niedriger Konzentration transportiert.

Ergebnisse aus C. elegans

Untersuchungen an Caenorhabditis elegans, bei denen die TANGO2‑Homologe HRG‑9 und HRG‑10 fehlten, zeigten ein deutlich reduziertes Fressverhalten, verkürzte Lebensdauer, geringere Brutgröße und eingeschränkte Motilität. Diese Phänotypen lassen sich besser durch ein metabolisches Defizit erklären als durch eine Störung des Häm‑Transports.

Genexpressionsanalyse

Die Analyse der Genexpression offenbarte, dass mehrere Gene, die nicht mit Häm‑Transport in Verbindung stehen, in einem Zustand niedriger Häm‑Konzentration hochreguliert wurden. Gleichzeitig reagierte das Gen hrg‑9 stark auf oxidativen Stress, unabhängig vom Häm‑Status.

Erweiterte Modellversuche

Zusätzliche Experimente in Hefe und Zebrafisch, die ebenfalls TANGO2‑Homologe fehlten, konnten die früher berichteten Häm‑Transport‑Effekte nicht reproduzieren. Diese Ergebnisse unterstützen die Annahme, dass die bisherige Funktionszuweisung überdacht werden muss.

Schlussfolgerungen

Die Autoren schließen daraus, dass ein Versagen der Energieproduktion und erhöhte oxidative Belastung potenzielle Schlüsselfaktoren bei TANGO2‑Defizienz darstellen, was mit Beobachtungen bei betroffenen Patienten übereinstimmt. Zukünftige Forschung könnte sich daher stärker auf die Stabilisierung der zellulären Energieversorgung und die Reduktion von oxidativem Stress konzentrieren.

Dieser Bericht basiert auf Informationen von eLife, lizenziert unter Creative Commons BY 4.0 (Open Access). Wissenschaftliche Inhalte, offen zugänglich.

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