Forscher He He und Hongtao Wang haben in einer neuen Untersuchung den Stil des Ăśbersetzers Nicky Harman analysiert, der die chinesischen Kinderromane *Wo Yao Zuo Hao Hai Zi* (1996) und *Ye Feng Fei Wu* (2018) ins Englische ĂĽbertrug. Die Analyse beantwortet die Fragen, welche stilistischen Entscheidungen Harman beim Transfer chinesischer Kinderliteratur fĂĽr ein englischsprachiges Publikum trifft und welche Muster dabei erkennbar sind.
Corpus und Methodik
Die Autoren stellten ein eigens aufgebautes bilinguales Korpus zusammen, das sowohl parallele als auch vergleichbare Texte umfasst und insgesamt 398.531 Wörter enthält. Auf Basis dieses Korpus wurde ein Mixed‑Methods‑Ansatz gewählt, der quantitative Messungen mit qualitativer Nahanalyse kombiniert.
Quantitative Analyse
Zur Messung von Musterbildung kamen Kennzahlen wie Keyword‑Analyse und der Qt‑Readability‑Index zum Einsatz. Diese Werkzeuge ermöglichten es, häufig auftretende lexikalische und syntaktische Strukturen zu identifizieren und deren Lesbarkeit zu bewerten.
Qualitative Ergebnisse
Die Untersuchung ergab, dass Harman einen ausgeprägten Übersetzerstil entwickelt hat, der die Lebendigkeit, Reinheit und Freude des Originaltexts bewahrt. Dieser Stil manifestiert sich in einer konsequenten Nutzung kontrahierter Formen wie ’s, ’ve und ’d sowie in der gezielten Wahl bestimmter Kollokationen, etwa „keep an eye on…“ oder „as far as the eye could see“.
Umgang mit Idiomen
Bei der Übertragung chinesischer Vier‑Zeichen‑Idiomata zeigte Harman ein vorsichtiges Gleichgewicht zwischen Domestizierung und Fremdsprachigkeit. Die Analyse dokumentiert, dass sie häufig versucht, die idiomatische Bedeutung zu erhalten, während sie gleichzeitig die Lesbarkeit für junge Leser sicherstellt.
Multimodale Strategien
Ein weiteres Merkmal des Stils ist die Einbindung multimodaler Elemente, die speziell auf die Bedürfnisse einer jungen Leserschaft zugeschnitten sind. Dazu zählen etwa erklärende Anmerkungen und bildhafte Beschreibungen, die das Verständnis erleichtern.
Bedeutung fĂĽr die Forschung
Die Ergebnisse tragen zur Weiterentwicklung der Forschung ĂĽber Ăśbersetzerstile bei und bieten neue Einblicke in die internationale Verbreitung chinesischer Kinderliteratur. Sie zeigen, dass ein systematischer, korpusbasierter Ansatz wertvolle Erkenntnisse ĂĽber die Wechselwirkungen zwischen Ausgangtext, Ăśbersetzer und Zielpublikum liefern kann.
Ende der Uebertragung