Eine aktuelle Untersuchung mit 5.000 erwachsenen Personen aus Deutschland ergab, dass eine überwiegend vegane Ernährungsweise mit erhöhten Werten für wahrgenommene soziale Isolation und sozialen Rückzug einhergeht, selbst nach Kontrolle zahlreicher soziodemografischer, lebensstilbezogener, gesundheitsbezogener und psychischer Einflussfaktoren.
Hintergrund und Zielsetzung
Die Forschung zu Zusammenhängen zwischen Ernährungsgewohnheiten und sozialen Faktoren ist bislang spärlich. Ziel der vorliegenden Analyse war es, den Zusammenhang zwischen drei Ernährungsformen – hauptsächlich vegetarisch, hauptsächlich vegan und omnivor – sowie den Dimensionen Einsamkeit, soziale Isolation und sozialer Rückzug zu prüfen.
Methodik
Die Studie beruhte auf einer Querschnittserhebung der deutschen Allgemeinbevölkerung im Alter von 18 bis 74 Jahren. Zur Erfassung von Einsamkeit wurde das De Jong Gierveld‑Instrument eingesetzt, soziale Isolation wurde mittels der Lubben‑Skala und des Bude/Lantermann‑Tools gemessen, und sozialer Rückzug wurde anhand des 25‑Item‑Hikikomori‑Fragebogens operationalisiert. Die statistische Auswertung erfolgte mittels multipler linearer Regressionen, wobei sukzessive soziodemografische, lebensstilbezogene, gesundheitsbezogene und psychische Kovariaten berücksichtigt wurden.
Ergebnisse
Von den Befragten gaben 15,4 % an, überwiegend vegetarisch zu essen, 3,5 % folgten einer überwiegend veganen Ernährung, während 81,1 % eine omnivore Ernährungsweise angaben. In Modellen, die nur soziodemografische, lebensstilbezogene und gesundheitsbezogene Variablen berücksichtigten, wiesen Personen mit überwiegend vegetarischer Ernährung höhere Werte für soziale Isolation und Rückzug im Vergleich zu omnivoren Personen auf. Diese Zusammenhänge verschwanden, sobald psychische Kovariaten einbezogen wurden.
Im Gegensatz dazu blieben die Assoziationen zwischen einer überwiegend veganen Ernährung und beiden sozialen Indikatoren signifikant, selbst im vollständig adjustierten Modell. Der erklärte Varianzanteil des Ernährungsstatus war jedoch äußerst gering (R² nahe Null, partielle η² < 0,01).
Diskussion
Die Resultate deuten darauf hin, dass vegane Ernährungsgewohnheiten mit einer erhöhten Wahrnehmung sozialer Isolation und einem stärkeren Rückzug aus dem gesellschaftlichen Leben verbunden sein können. Da die Effektstärken minimal sind, ist die praktische Relevanz begrenzt. Mögliche Erklärungsansätze umfassen soziale Normen, die mit einer veganen Lebensweise assoziiert werden, sowie mögliche Selbstselektion von Personen, die bereits ein zurückgezogenes Sozialverhalten aufweisen.
Fazit
Die Analyse liefert Evidenz dafür, dass eine überwiegend vegane Ernährung in der deutschen Allgemeinbevölkerung mit höheren Werten für soziale Isolation und Rückzug verknüpft ist, wobei der Einfluss klein bleibt. Weitere Langzeitstudien sind nötig, um kausale Mechanismen zu beleuchten.
Dieser Bericht basiert auf Informationen von PLOS ONE, lizenziert unter Creative Commons BY 4.0 (Open Access). Wissenschaftliche Inhalte, offen zugänglich.
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