USA: Studie zu Notfalldiagnosen bei Nicht‑Krebserkrankungen
Eine aktuelle Analyse von mehr als 1,7 Millionen Patienten in England hat ergeben, dass Notfalldiagnosen bei einer Vielzahl von Nicht‑Krebserkrankungen häufig vorkommen und mit einer deutlich schlechteren einjährigen Überlebensrate sowie längeren Krankenhausaufenthalten verbunden sind.
Methodik und Datenbasis
Forscher nutzten verknüpfte Datensätze aus der Primary‑Care‑Datenbank CPRD, den Hospital‑Episode‑Statistics und dem Office for National Statistics. Untersucht wurden 13 exemplarische Erkrankungen, darunter Parkinson, COPD, rheumatoide Arthritis und Multiple Sklerose, im Zeitraum von 1999 bis 2019.
Häufigkeit von Notfalldiagnosen
Bei neun der 13 untersuchten Krankheiten wurde die Diagnose in mindestens 20 % der Fälle im Rahmen einer Notfallversorgung gestellt. Besonders häufig waren Notfalldiagnosen bei Parkinson‑Patienten (über 30 %) und COPD‑Patienten (35 %).
Erhöhte Sterblichkeit
Für neun Erkrankungen zeigte sich ein Anstieg der 1‑Jahres‑Mortalität von mindestens 10 % bei Notfalldiagnosen im Vergleich zu nicht‑emergenten Diagnosen. Nach Adjustierung für Alter, Diagnosejahr, soziale Deprivation, Begleiterkrankungen und Versorgungssetting war das Sterberisiko signifikant erhöht, etwa mit einem adjustierten Odds Ratio von 7,53 (95 %‑KI 5,64–10,1) für Frauen mit Zöliakie und 5,99 (95 %‑KI 5,30–6,78) für Männer mit entzündlichen Darmerkrankungen.
Längere Krankenhausaufenthalte
Auch die Aufenthaltsdauer im Krankenhaus im ersten Jahr nach Diagnose war bei Notfalldiagnosen stark erhöht. So lag das adjustierte Rate Ratio bei 8,76 (95 %‑KI 6,52–11,8) für Männer mit Zöliakie und bei 5,59 (95 %‑KI 2,57–12,2) für Frauen mit Borreliose.
Robustheit der Ergebnisse
Die Befunde waren konsistent über die beiden CPRD‑Teildatensätze (Aurum, GOLD) hinweg. Ergänzende Analysen von fünf Krebsarten bestätigten die bekannten Zusammenhänge zwischen Notfalldiagnosen und schlechteren Outcomes, was die Validität der Methodik unterstreicht.
Einschränkungen und Schlussfolgerungen
Eine zentrale Einschränkung besteht in der Annahme einer korrekten Erfassung der Diagnosen in den Routinedaten. Dennoch verdeutlicht die Studie, dass Notfalldiagnosen in einem breiten Spektrum von Erkrankungen verbreitet sind und mit signifikant schlechteren klinischen Ergebnissen einhergehen. Die Autoren fordern weitere Forschung und gezielte Investitionen, um Notfalldiagnosen zu reduzieren, insbesondere bei Krankheiten, bei denen eine frühzeitige Diagnose im ambulanten Bereich erwartet wird.
Dieser Bericht basiert auf Informationen von PLOS Medicine, lizenziert unter Creative Commons BY 4.0 (Open Access). Wissenschaftliche Inhalte, offen zugänglich.
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