Äthiopien: Studie zeigt weit verbreiteten Folsäuremangel bei schwangeren Frauen in Tigray
Eine im Zeitraum von März bis April 2025 in fünf öffentlich ausgewählten Krankenhäusern der nördlichen Region Tigray in Äthiopien durchgeführte Untersuchung hat bei 400 im ersten Schwangerschaftstrimen (≤13 Wochen) befindlichen Patientinnen einen nahezu universellen Mangel an rotem Blutzell‑Folat (RBC‑Folat) nachgewiesen.
Methodik
Die Studie verfolgte einen klinikbasierten Querschnittsansatz. Die Teilnehmerinnen wurden mittels systematischer Zufallsstichprobe rekrutiert. Soziodemografische, anthropometrische, geburtshilfliche und ernährungsbezogene Daten wurden durch Interview‑ und 24‑Stunden‑Erinnerungsfragebögen nach dem WHO‑MDD‑W‑Instrument erhoben. RBC‑Folat‑Konzentrationen wurden mittels Elektrochemilumineszenz‑Immunoassay bestimmt.
Ergebnisse zu RBC‑Folat
Der Mittelwert der RBC‑Folat‑Konzentration betrug 221,6 ± 68,6 ng/mL, der Median lag bei 204,9 ng/mL. Nach Angaben der Studie lagen 98,8 % (395 von 400; 95 % KI 97,1 %–99,6 %) der Messwerte unter dem von der WHO empfohlenen Schwellenwert von 400 ng/mL, der für die optimale Verhinderung neuraler Plattdefekte (NTD) gilt.
Ernährungsvielfalt
Die Analyse der Nahrungsvielfältigkeit ergab, dass 79,5 % (318 von 400) der Patientinnen die Mindestschwelle von fünf Lebensmittelgruppen nicht erreichten. Selbst unter den 82 Patientinnen, die die Mindestvielfalt erreichten, blieben 97,6 % (80 von 82) weiterhin folatmangelhaft.
Statistische Befunde
In einem explorativen Ridge‑Logit‑Modell zeigte sich, dass das Erreichen der Mindesternährungsvielfalt positiv mit ausreichendem RBC‑Folat assoziiert war (adjustierter Odds‑Ratio = 1,82). Im Gegensatz dazu war ein höheres mütterliches Alter negativ korreliert (adjustierter Odds‑Ratio = 0,67).
Interpretation
Die Ergebnisse verdeutlichen, dass ein klinischer Folsäuremangel sämtliche demografischen und ernährungsbezogenen Schichten durchdringt und dass isolierte diätetische Anpassungen oder sporadische Supplementierung allein nicht ausreichen, um die Reserven zu schützen.
Politische Handlungsempfehlungen
Die Autorenschaft fordert ein sofortiges Umsteigen auf verpflichtende, großflächige Anreicherung von Grundnahrungsmitteln, insbesondere von Getreide, im nördlichen Äthiopien, um die hohe Inzidenz von NTD nachhaltig zu reduzieren.
Dieser Bericht basiert auf Informationen von PLOS ONE, lizenziert unter Creative Commons BY 4.0 (Open Access). Wissenschaftliche Inhalte, offen zugänglich.
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