USA: Studie zeigt wechselseitige Verbindung zwischen psychischen Erkrankungen und kognitiven Einschränkungen bei Schmerzen im Rücken‑ und Nackenbereich
Eine aktuelle bevölkerungsbasierte Untersuchung hat eine bidirektionale Beziehung zwischen psychischen Erkrankungen (MHC) und kognitiver Beeinträchtigung (CI) bei älteren Patienten mit Rücken‑, Nacken‑ und Wirbelsäulenschmerzen nachgewiesen. Die Analyse deckt sowohl das erhöhte Risiko von CI nach einer MHC als auch das umgekehrte erhöhte Risiko von MHC nach einer bereits bestehenden CI auf.
Hintergrund und Zielsetzung
Schmerzen im Rücken‑ und Nackenbereich gehen häufig mit psychiatrischen und kognitiven Komorbiditäten einher, doch bislang war die Richtung und Stärke dieser Zusammenhänge unklar. Die Studie zielte darauf ab, das gegenseitige Risiko zwischen einer Vielzahl von MHC – darunter Depression, bipolare Störung (BD), generalisierte Angststörung (GAD), posttraumatische Belastungsstörung (PTSD), Panikstörung (PaD), persistente affektive Störung (PMD), suizidales Verhalten (SB), Schizophrenie (SCZ) und Substanzgebrauchsstörung (SUD) – und dem Auftreten von CI zu quantifizieren.
Methodik
Die Daten stammen aus dem TriNetX US Collaborative Network und umfassen den Zeitraum vom 01.01.2016 bis zum 31.12.2021 mit über 119 Millionen Patienten. Patienten mit den genannten Schmerzzuständen wurden anhand von ICD‑10‑Codes identifiziert. Durch Propensity‑Score‑Matching wurden demografische Merkmale und Begleiterkrankungen ausgeglichen. Anschließend erfolgte eine Kaplan‑Meier‑Analyse über einen Beobachtungszeitraum von drei Jahren, um das Auftreten von CI bzw. MHC zu bewerten.
Ergebnisse – Risiko für kognitive Beeinträchtigung
Patienten mit einer MHC wiesen ein signifikant höheres dreijähriges Risiko für das Auftreten einer CI auf. Das höchste Risiko zeigte sich bei Schizophrenie (RR: 4.594; 95 % KI [3.974, 5.312]) und bipolarer Störung (RR: 3.761; 95 % KI [3.247, 4.356]). Weitere Erkrankungen, darunter Depression, PMD, GAD, PTSD, PaD und SUD, waren ebenfalls mit erhöhten Risikozahlen verbunden.
Ergebnisse – Risiko für psychische Erkrankungen
Umgekehrt hatten Patienten mit bereits vorhandener CI ein erhöhtes dreijähriges Risiko, im Anschluss eine MHC zu entwickeln. Besonders ausgeprägt war das Risiko für bipolare Störung (RR: 4.818; 95 % KI [3.045, 7.624]), Schizophrenie (RR: 3.398; 95 % KI [2.874, 4.017]) und suizidales Verhalten (RR: 1.913; 95 % KI [1.340, 2.732]).
Interpretation und Bedeutung
Die Befunde legen nahe, dass psychische Erkrankungen und kognitive Beeinträchtigungen bei älteren Erwachsenen mit Rücken‑ und Nackenschmerzen eng miteinander verknüpft sind. Die wechselseitige Risikosteigerung deutet darauf hin, dass frühzeitige Screening‑ und Interventionsstrategien in beiden Bereichen potenziell die Gesamtbelastung reduzieren könnten.
Ausblick
Die Autoren empfehlen ein integriertes Screening sowohl für psychische als auch für kognitive Defizite sowie eine koordinierte, multidisziplinäre Versorgung, um die komplexe Krankheitslast dieser Patientengruppe besser zu adressieren. Weitere Forschung sollte die zugrunde liegenden Mechanismen und mögliche Therapieansätze untersuchen.
Dieser Bericht basiert auf Informationen von PLOS ONE, lizenziert unter Creative Commons BY 4.0 (Open Access). Wissenschaftliche Inhalte, offen zugänglich.
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