Eine aktuelle Untersuchung hat ergeben, dass ein erheblicher Teil der Assistenzärzte im Fach Internal Medicine und Family Medicine wenig Vertrauen in die Durchführung nicht‑physischer Bestandteile der neurologischen Untersuchung hat, was häufig zum Auslassen dieser Untersuchung führt. Die Befragung umfasste 97 von insgesamt 350 berechtigten Bewohnern, darunter 35 Internisten und 61 Hausärzte, und ermittelte, dass das Vertrauen insbesondere beim Lokalisieren (Median = 3, IQR 2‑4) und beim Bilden einer Differenzialdiagnose (Median = 4, IQR 3‑4) gering war.
Hintergrund
Neurophobie, definiert als Angst vor klinischer Neurologie, wurde bislang kaum im Kontext der ärztlichen Untersuchungspraxis untersucht. Ziel der vorliegenden Arbeit war es, das Ausmaß des Vertrauens in die neurologische Untersuchung zu quantifizieren und zu prüfen, inwiefern dieses Vertrauen das Prüfungsverhalten gegenüber Patienten mit neurologischen Beschwerden beeinflusst.
Methodik
Im Rahmen einer ein‑zentralen Studie wurden Internisten‑ und Hausarzt‑Bewohner mittels eines selbstausgefüllten Fragebogens zu ihrer Sicherheit bei verschiedenen Elementen der neurologischen Untersuchung befragt. Ein geringes Vertrauen wurde als Bewertung von ≤3 auf einer 5‑stufigen Likert‑Skala definiert. Zusätzlich wurden die Wahrscheinlichkeit des Auslassens von Untersuchungen bei neurologischen, kardialen, respiratorischen, gastrointestinalen und muskuloskelettalen Beschwerden sowie die Gründe dafür erfragt.
Ergebnisse
Die Befragten schätzten die Wahrscheinlichkeit, dass ihre Kollegen die neurologische Untersuchung auslassen, mit einem Median von 3 (IQR 2‑3) ein, vergleichbar mit dem Auslassen der muskuloskelettalen Untersuchung (Median 3, IQR 2‑4). Die Tendenz, Teile der neurologischen Untersuchung zu überspringen, stieg von dem ersten zum zweiten Ausbildungsjahr an. Als Hauptgründe wurden geringes Vertrauen (Low Confidence) und Zeitmangel angegeben.
Interpretation
Die Daten deuten darauf hin, dass das fehlende Vertrauen in nicht‑physische Aspekte der neurologischen Untersuchung – insbesondere das Lokalisieren und das Formulieren einer Differenzialdiagnose – ein signifikanter Faktor für das Auslassen dieser Untersuchung ist. Das Vertrauen verbesserte sich nicht mit zunehmender Ausbildungsdauer, was auf strukturelle Defizite in der Ausbildung schließen lässt.
Implikationen
Die Befragten nannten verstärkte Exposition gegenüber Neurologie und intensivere Lehrangebote als mögliche Maßnahmen zur Steigerung des Vertrauens. Eine gezielte curricular‑basierte Erweiterung könnte demnach die Häufigkeit des Auslassens neurologischer Untersuchungen reduzieren.
Ausblick
Weitere Forschung sollte untersuchen, welche konkreten Lehrmethoden das Vertrauen nachhaltig stärken und ob eine verbesserte Sicherheit zu einer höheren Diagnostikqualität bei neurologischen Patienten führt.
Dieser Bericht basiert auf Informationen von PLOS ONE, lizenziert unter Creative Commons BY 4.0 (Open Access). Wissenschaftliche Inhalte, offen zugänglich
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