Studie zu intrathekaler Drucksenkung bei akuter Rückenmarksverletzung zeigt keine Verbesserung der neurologischen Genesung
Eine prospektive, einarmige, multizentrische klinische Untersuchung wurde zwischen August 2019 und Mai 2024 an 58 Patienten mit akuter traumatischer Rückenmarksverletzung durchgeführt, um zu prüfen, ob die Aufrechterhaltung eines spinalen Rückenmarksperfusionsdrucks (SCPP) von mindestens 65 mmHg durch Liquor‑Drainage die neurologische Erholung verbessert.
Studiendesign und Vergleichsgruppe
Die Teilnehmer erhielten über einen lumbaren intrathekalen Katheter Liquor abgelassen, um den intrathekalen Druck (ITP) zu senken und damit den SCPP zu erhöhen. Die Ergebnisse wurden mit einer historischen Kontrollgruppe von 86 Patienten verglichen, die lediglich den intrathekalen Druck gemessen, jedoch nach den herkömmlichen Zielwerten für den mittleren arteriellen Druck (MAP) von 85–90 mmHg behandelt wurden.
Durchführung der Liquor‑Drainage
Im Interventionsarm verblieb der Katheter im Mittel 138 Stunden (95 %‑KI [129,147]) und es wurden 495 ml Liquor (95 %‑KI [350,641]) abgelassen. Bei sieben Patienten erfolgte keine Drainage. Die Protokolladhärenz variierte stark zwischen den Studienzentren, sodass das Projekt vorzeitig beendet wurde.
Hemodynamische Ergebnisse
Zwischen den Gruppen bestanden keine signifikanten Unterschiede hinsichtlich ITP und SCPP, sodass das Management‑Protokoll die hämodynamischen Parameter nicht wesentlich veränderte.
Neurologische Ergebnisse
Die neurologischen Bewertungen nach sechs Monaten zeigten keinen Unterschied zwischen den Patienten, die nach dem SCPP‑Ziel behandelt wurden, und jenen, die nach dem MAP‑Ziel versorgt wurden (p = 0,897).
Weitere Beobachtungen
Die Patienten des SCPP‑Protokolls wiesen häufiger ITP‑Wellenformen auf, die als gedämpft oder vollständig pulsierend klassifiziert wurden (p = 0,006), und benötigten auf weniger Beobachtungen Vasopressoren (p = 0,004). Sechs unerwünschte Ereignisse wurden als wahrscheinlich mit dem Eingriff in Zusammenhang stehend eingestuft.
Schlussfolgerungen und Ausblick
Die Untersuchung ergab, dass die Liquor‑Drainage nur in geringem Umfang durchgeführt wurde, die intrathekale Drucksenkung kaum beeinflusste und keinen Nutzen für die neurologische Genesung zeigte. Die Beziehung zwischen abgelassenem Liquorvolumen und ITP‑Veränderung blieb unklar. Zukünftige Versuche sollten die Öffnung des Subarachnoidalraums durch aggressive chirurgische Dekompression stärker berücksichtigen.
Dieser Bericht basiert auf Informationen von PLOS Medicine, lizenziert unter Creative Commons BY 4.0 (Open Access). Wissenschaftliche Inhalte, offen zugänglich.
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