Afghanistan hat in den letzten Jahren seine Filmkultur nahezu vollständig verloren, nachdem die herrschende Gruppe systematisch Kinos geschlossen und das einzige staatliche Filmarchiv aufgelöst hat. Die Maßnahmen betrafen sowohl städtische Kinos als auch die zentrale Filminstitution, die seit den 1960er Jahren das visuelle Gedächtnis des Landes bewahrte.
Schließung von Kinos
Seit der Machtübernahme im August 2021 wurden öffentliche Filmvorführungen schrittweise verboten. Am 21. November 2021 erließ das Ministerium für Tugend und Sitten eine Richtlinie, die Frauen aus den Medien entfernte und damit die Grundlage für weitere Beschränkungen schuf. Im März 2023 kündigte die Stadtverwaltung Kabul den Abriss des historischen Khairkhana‑Kinos an, das anschließend durch einen Markt, eine Moschee und Wohngebäude ersetzt werden sollte. Im September 2023 wurde das ehemalige Aryub‑Kino, das zuvor als Parkplatz diente, an die Gruppe verpachtet.
Auflösung des Filmarchivs
Am 13. Mai 2025 wurde das staatliche Filminstitut Afghan Film offiziell aufgelöst. Damit endete die letzte Hoffnung auf eine organisierte Filmproduktion und Archivierung im Land. Das Archiv enthielt Dokumentarfilme aus dem frühen 20. Jahrhundert, die wichtige politische Ereignisse festhielten.
Auswirkungen auf Filmemacher
Filmemacher berichten von drastischen Einschränkungen: Drehbücher müssen vorab von der Gruppe genehmigt werden, und fertige Filme erhalten nur bei voller Übereinstimmung mit den Vorgaben eine Vorführungserlaubnis. Die Beteiligung von Frauen ist vollständig untersagt. Viele Künstler und Künstler haben das Land verlassen; jene, die geblieben sind, leben in Armut und arbeiten unter ständiger Überwachung.
Kulturelle Politik der herrschenden Gruppe
Die Gruppe präsentiert sich gelegentlich als Förderer von Kultur, etwa durch das Filmfestival Did‑e‑Naw, doch Beobachter betonen, dass diese Veranstaltungen vorwiegend der eigenen Sichtweise dienen. In den letzten vier Jahren wurden neun Filme und eine Fernsehserie produziert, in denen Frauen fehlen und die Inhalte die Ideologie der Gruppe verbreiten.
Filmproduktion im Exil
Afghanische Filmemacher im Exil beschreiben das Kino als „die beste Form der Gegenwehr“. Finanzielle Engpässe, fehlender Zugang zu technischer Ausrüstung und rechtliche Hürden erschweren jedoch die Produktion. Die Trennung von heimischem Publikum führt dazu, dass ihre Werke kaum Reichweite im eigenen Land erzielen.
Perspektiven und Ausblick
Aktuelle Stimmen aus der Filmbranche sehen kaum Aussicht auf eine Wiederbelebung der Kinos. Ohne die Möglichkeit, Filme zu drehen, zu bearbeiten und öffentlich zu zeigen, bleibt die kulturelle Vielfalt des Landes stark eingeschränkt. Die Zukunft des afghanischen Filmarchivs bleibt ungewiss, solange keine internationalen Schutzmaßnahmen etabliert werden.
Dieser Bericht basiert auf Informationen von Global Voices, lizenziert unter Creative Commons BY. Offene journalistische Inhalte.
