Kernbefund
Die Einnahme von Tapentadol in verzögerter Freisetzung ist mit einem geringeren Sturzrisiko verbunden als die Einnahme von Oxycodon in kontrollierter Freisetzung, wobei das relative Risiko über 28 Tage nach Therapiebeginn bei 0,70 (95 % CI: 0,62 – 0,79) lag.
Studienaufbau
In einer aktiven Vergleichs‑Kohortenstudie wurden Routinedaten aus New South Wales, Australien, aus den Jahren 2014 bis 2020 ausgewertet. Eingeschlossen wurden Erwachsene ab 18 Jahren, die öffentlich subventioniertes Tapentadol (SR) oder Oxycodon (CR) neu begannen.
Datenbasis und Matching
Insgesamt wurden 103.924 Initiatoren von Tapentadol und 419.732 Initiatoren von Oxycodon identifiziert. Durch Propensity‑Score‑Matching wurden je 103.758 Patienten in beiden Gruppen verglichen, wobei die Baseline‑Charakteristika weitgehend ausgeglichen waren.
Ergebnisübersicht
Innerhalb von 28 Tagen nach Therapiebeginn erlitten 652 (0,6 %) Oxycodon‑Initiatoren und 457 (0,4 %) Tapentadol‑Initiatoren einen Sturz, gemessen an Notaufnahme‑ oder Krankenhausaufnahmen bzw. Todesfällen. Die relativen Risiken betrugen nach 7 Tagen 0,57 (95 % CI: 0,48 – 0,69), nach 14 Tagen 0,62 (95 % CI: 0,54 – 0,71) und nach 28 Tagen 0,70 (95 % CI: 0,62 – 0,79).
Subgruppenanalysen
Die Muster blieben bei Patienten ab 65 Jahren und ab 80 Jahren bestehen. Absolute Risikodifferenzen waren in den älteren Gruppen etwas größer (2–3 bzw. 4–8 Stürze pro 1.000 Behandelte). Bei opioid‑naiven Patienten ab 80 Jahren lagen die Unterschiede bei 6–10 Stürzen pro 1.000.
Absolute Effekte und NNTH
Die absoluten Unterschiede betrugen etwa 1–2 Stürze pro 1.000 Patienten, was einem „Number Needed to Treat Harmful“ (NNTH) von 739 bis 529 entspricht; in den höchsten Risikogruppen sank der NNTH auf 173 bis 97.
Einschränkungen
Die Studie erfasste keine Sofort‑Release‑Formen von Tapentadol und erfasste nur Stürze, die zu Notaufnahme‑ oder Krankenhausaufnahmen führten, sodass weniger schwere Stürze unberücksichtigt blieben.
Bedeutung für die Praxis
Die geringere Sturzrate bei Tapentadol‑Therapie könnte insbesondere bei älteren Patienten relevant sein, da Stürze dort mit schweren gesundheitlichen Folgen verbunden sind. Weitere Forschung sollte die Wirkung in anderen Settings und bei unterschiedlichen Formulierungen prüfen.Dieser Bericht basiert auf Informationen von PLoS Medicine, lizenziert unter Creative Commons BY 4.0 (Open Access).
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