USA: Telearbeit erhöht Sitzzeit – Studie der COVISTRESS‑Netzwerk
Eine internationale Beobachtungsstudie mit 6.653 Befragten hat gezeigt, dass ein höherer Anteil von Telearbeit mit deutlich längeren Sitzzeiten verbunden ist. Die Untersuchung, die im Rahmen des COVISTRESS‑Netzwerks durchgeführt wurde, ergab einen klaren dosisabhängigen Zusammenhang zwischen dem Umfang des Home‑Office und der täglichen Sitzdauer.
Studiendesign und Stichprobe
Die Studie basierte auf selbstausgefüllten Online‑Fragebögen, die über REDCap® erhoben wurden. Alle Teilnehmenden gaben Angaben zu soziodemografischen Merkmalen, beruflichen Bedingungen und Lebensstil. Die Analyse berücksichtigte sowohl lineare als auch logistische multivariate Modelle, um den Einfluss von Telearbeit im Vergleich zu anderen Variablen zu prüfen.
Durchschnittliche Sitzzeit
Der Mittelwert der täglichen Sitzzeit betrug 5,6 ± 3,4 Stunden. Davon sitzten 15,2 % der Befragten 8–14 Stunden pro Tag und 1,6 % mehr als 14 Stunden.
Einfluss des Telearbeitsanteils
Beschäftigte, die zu 0 % im Home‑Office arbeiteten, saßen im Schnitt 4,9 ± 3,2 Stunden pro Tag. Der Anteil stieg mit zunehmendem Telearbeitsanteil: 1–25 % → 5,8 ± 3,2 Stunden, 26–50 % → 6,4 ± 3,1 Stunden, 51–75 % → 6,5 ± 3,8 Stunden, 76–99 % → 7,6 ± 3,5 Stunden und 100 % → 9,1 ± 4,3 Stunden. Der Prozentsatz der Befragten, die mehr als 14 Stunden pro Tag saßen, wuchs von 1,5 % (keine Telearbeit) auf 10,7 % (100 % Telearbeit).
Risikobewertung
Im multivariaten Modell erhöhte sich das Risiko, 8–14 Stunden zu sitzen, um das 1,9‑Fache (95 %‑KI 1,2–3,0) bei 1–25 % Telearbeit, um das 4,7‑Fache (2,2–9,7) bei 26–50 % und um das 9,2‑Fache (1,6–51,5) bei mehr als 75 % Telearbeit. Das Risiko, mindestens 14 Stunden zu sitzen, war bei 51–75 % Telearbeit um das 5,8‑Fache (1,07–31,5) und bei über 75 % Telearbeit um das 34,3‑Fache (3,71–317) erhöht.
Bedeutung und Schlussfolgerungen
Die Ergebnisse belegen, dass Telearbeit der stärkste Prädiktor für langes Sitzen ist, selbst wenn andere soziodemografische, berufliche und lifestyle‑bezogene Faktoren gleichzeitig berücksichtigt werden. Die dose‑response‑Beziehung legt nahe, dass ein höherer Telearbeitsanteil das Risiko für sitzbedingte Gesundheitsprobleme weiter steigert.
Einschränkungen
Die Datenerhebung beruhte auf Selbst‑Reporting, wodurch Messfehler nicht ausgeschlossen werden können. Außerdem ermöglicht das Querschnitt‑Design keine kausale Aussage, sondern beschreibt lediglich Assoziationen.
Praktische Implikationen
Arbeitgeber und Gesundheitsexperten sollten Strategien entwickeln, um aktive Pausen und ergonomische Arbeitsplätze im Home‑Office zu fördern, um die durch Telearbeit entstehende sitzende Belastung zu reduzieren.
Dieser Bericht basiert auf Informationen von PLOS ONE, lizenziert unter Creative Commons BY 4.0 (Open Access). Wissenschaftliche Inhalte, offen zugänglich.
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