Sonstige: Transgender‑Personen in Syrien – Gewalt, Haft und Fluchtversuche
Ein Bericht aus Jaramana, einem Vorort von Damaskus, beschreibt die anhaltende Bedrohung von Transgender‑Personen nach dem Sturz der Herrschaft von Präsident Bashar al‑Assad im Dezember 2024. Die 20‑jährige Maya, die sich als Transgender‑Person identifiziert, berichtet von körperlicher Gewalt, Haftbedingungen und dem täglichen Kampf um Existenzsicherung.
Gewaltakte und EinschĂĽchterung
Nach Angaben von Maya wurden sie und weitere Transgender‑Personen von bewaffneten Männern an der Hauseingangstür überfallen, körperlich misshandelt und mit verbalen Beschimpfungen konfrontiert. In einem weiteren Vorfall wurden sie von Soldaten an einem Kontrollpost festgehalten, ihre Haare mit einem Messer abgeschnitten und zu einer Erklärung gezwungen, in der sie versprachen, nicht mehr „wie eine Frau“ zu erscheinen.
Rechtlicher Rahmen und Verfolgung
Der syrische Strafkodex von 1949, insbesondere Artikel 520, sieht für das Tragen weiblicher Kleidung eine Haftstrafe von sechs bis neun Monaten vor. François Zankih, Direktor der Guardians of Equality Movement (GEM), erklärt, dass diese Bestimmungen seit der französischen Mandatszeit unverändert geblieben seien.
Gefängnisbedingungen
Maya schildert, dass sie nach ihrer Rückkehr aus dem Libanon mehrere Monate in einem Gefängnis verbrachte, das ausschließlich für Transgender‑Personen vorgesehen war. Dort berichtete sie von systematischer sexueller Ausbeutung durch Aufseher, die die Insassen zu sexuellen Handlungen zwangen.
Soziale Isolation und ökonomische Not
Aufgrund von Stigmatisierung und familiärer Ablehnung ist Maya gezwungen, im Verborgenen zu leben. Sie trägt häufig einen Hijab, um nicht aufzufallen, und ist auf Sexarbeit über digitale Plattformen angewiesen, um die Miete zu bezahlen. Ihr Vater hat eine offizielle Beschwerde gegen sie eingereicht und sie aus der Familie ausgeschlossen.
Hilfsangebote und Fluchtbestrebungen
GEM dokumentierte im Jahr 2025 einen Anstieg von Notfallanfragen um 60 % und bietet inzwischen ein Förderprogramm an, das Transgender‑Personen mit Computern und Schulungen für Fernarbeit unterstützt. Trotzdem äußern die Betroffenen den Wunsch, Syrien zu verlassen; über 400 Transgender‑Personen haben sich an die libanesische Organisation Helem gewandt, von denen bislang 32 nach Libanon gelangten.
Psychische Belastungen und Zwangstherapien
Grace, eine 18‑jährige Transgender‑Person, berichtet von körperlicher Gewalt seitens ihrer Familie und von einer erzwungenen „Konversionstherapie“, bei der ihr psychologischer Druck ausgeübt wurde, ihre Geschlechtsidentität zu ändern. Zankih weist darauf hin, dass solche Praktiken im ganzen Land verbreitet seien und häufig mit elektrischen Geräten durchgeführt würden.
Dieser Bericht basiert auf Informationen von Global Voices, lizenziert unter Creative Commons BY. Offene journalistische Inhalte.
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