International: Transpersonen werden bei Wahlen weltweit diskriminiert
Kernfakten
In den Jahren 2024 bis 2026 haben Politiker in zahlreichen Ländern transbezogene Diskriminierung in Wahlkämpfen eingesetzt, wie der Bericht „Queering Democracy“ des globalen LGBTIQ+-Advocacy‑Netzwerks Outright International zeigt. Dabei wurden trans Personen sowohl durch Wahlprogramme als auch durch Wahlkampf‑Werbung benachteiligt und teilweise von der Stimmabgabe ausgeschlossen.
Ausmaß der anti‑trans‑Kampagnen
Im sogenannten „Super Election Year“ 2024 war in rund 85 % der Länder, die Wahlen abhielten, anti‑LGBTIQ+‑Rhetorik auf dem Wahlzettel zu finden. Outright International verzeichnete in 51 von 61 untersuchten Rechtsgebieten gezielte anti‑LGBTIQ+‑Kampagnen. In mindestens 25 Ländern wurden Begriffe wie „Gender‑Ideologie“ oder „Wokismus“ verwendet, um die Rechte von Transpersonen zu delegitimieren.
Beispiele aus verschiedenen Regionen
In Ghana wurde die Präsidentschaftswahl zu einem Wettbewerb um die größte Homophobie, wobei Kandidaten ein Gesetz forderten, das die bloße Existenz von Trans‑ und Queer‑Personen kriminalisiert. In den USA investierte die Republikanische Partei über 215 Millionen USD in Fernsehspots, die Angst vor dem Zugang von Transpersonen zu Gesundheitsversorgung und öffentlichen Einrichtungen schürten. In Nordmazedonien nutzte die rechtsextreme Partei VMRO‑DPMNE das Schlagwort „Gender‑Ideologie“, um umfassende Sexualerziehung zu diskreditieren. Weitere Beispiele finden sich in Kolumbien, Deutschland (AfD‑Programm), Ungarn und den US‑Midterms 2026.
Angriffe auf trans Kandidat*innen
Trans Kandidaten sehen sich häufig körperlichen und verbalen Angriffen ausgesetzt. In Pakistan wurde eine trans Kandidatin von einem Mitglied der islamistischen Partei Jamaat‑e‑Islami körperlich attackiert. In Kolumbien berichteten sechs offen trans und nicht‑binäre Kandidaten von Misgendering, Spott und Online‑Diskriminierung. In Brasilien wurde ein lokaler trans Kandidat nach der Wahl enthauptet, während in den USA ein Berater des Weißen Hauses fälschlicherweise behauptete, ein demokratischer Senatskandidat sei „klar im Übergang zum weiblichen Geschlecht“.
Rechtliche Hürden beim Wählen
Nur 18 Länder erlauben die Änderung des Geschlechtsmerkmals im Ausweis auf Basis von Selbstbestimmung. Weitere 42 Länder gestatten Änderungen nur unter medizinischen oder bürokratischen Auflagen. In Bangladesch wurden trans Personen, deren Ausweis nicht mit dem äußeren Erscheinungsbild übereinstimmte, von Wahlhelfern abgewiesen. In Indonesien verweigerten Wahlbeamte zunächst die Stimmabgabe, weil der Name und das Geschlecht im Ausweis nicht mit dem Erscheinungsbild übereinstimmten. Selbst in Ländern mit nondiskriminierenden Rechtsrahmen, etwa Kolumbien und Spanien, kam es zu Fehlbehandlungen und falschen Verdächtigungen von Wahlbetrug.
Wähler*innenunterdrückung und Einschüchterung
In Bangladesch forderten lokale Politiker trans Personen auf, nicht zu wählen, und behaupteten, ihre Stimmen würden von anderen abgegeben. In Bhutan werden Wahlkabinen nach dem bei der Geburt zugewiesenen Geschlecht getrennt, was für trans und nicht‑binäre Wähler problematisch ist. In Ländern ohne rechtliche Anerkennung, etwa Botswana, Bulgarien und Ungarn, verzichteten manche trans Personen aus Angst vor Diskriminierung ganz auf die Stimmabgabe.
Positive Entwicklungen und Ausblick
Trotz der Hindernisse haben trans Personen in Indien und Nepal im Jahr 2024/2025 erstmals offen im Parlament Platz genommen. Outright International empfiehlt, Wahlgesetze zu reformieren, die Selbstbestimmung bei der Geschlechtskennzeichnung zu verankern und Wahlhelfer*innen zu schulen, um Diskriminierung zu verhindern.
Fazit
Die Analyse zeigt ein wiederkehrendes Muster von politischer Instrumentalisierung transbezogener Ängste, das die volle demokratische Teilhabe von trans Personen weltweit einschränkt. Ohne gezielte gesetzliche und gesellschaftliche Maßnahmen bleibt das Wahlrecht für viele trans Personen gefährdet.Dieser Bericht basiert auf Informationen von Global Voices, lizenziert unter Creative Commons BY. Offene journalistische Inhalte.
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