Ein von der Internationalen Raumstation am 10. Mai 2026 aufgenommenes Foto dokumentiert, dass der Tyndall‑Gletscher im Süden Chiles weiterhin stark zurückgeht. Auf dem Bild ist die Gletscherfront von einer Schicht dünner Wolken umgeben, während abgebrochene Eismassen im angrenzenden Lago Geikie treiben.
RĂĽckgang seit dem Ende der Kleinen Eiszeit
Der Gletscher schrumpft bereits seit etwa 150 Jahren, also seit dem Ende der Kleinen Eiszeit. Laut dem Glaziologen Mauri Pelto vom Nichols College bildete sich das Lago Geikie um 1940 an der Gletscherfront und hat seitdem durch das Abschmelzen des Eises an Fläche gewonnen. Ein früherer Abfluss in das östlich gelegene Lago Tyndall wurde bis 2010 durch das Abschmelzen des Eises vollständig unterbrochen.
Messungen des Längenverlustes
Seit November 2022 hat der Gletscher nach Angaben von Pelto insgesamt 2,2 Kilometer (1,4 Meilen) an Länge verloren. Der Rückgang erfolgte nach einer Phase mit wenig Fortschritt, die von einem intensiven Kalbensereignis im Frühjahr 2023 unterbrochen wurde. Satellitenbeobachtungen zeigten dabei mehrere große Eisberge, die sich vom Gletschervordermann lösten.
Kalben und Eisbergbildung
Im Herbst 2026, laut Pelto, war das Kalben weiterhin aktiv, jedoch weniger stark als im Vorjahr. Zahlreiche tiefe Risse im Gletschereis führen zu einer hohen Zahl kleiner Eisberge, während größere, tabellarische Eisberge eher dann entstehen, wenn die Front weniger tiefe Risse aufweist und das Eis insgesamt dünner ist.
Höhenbestimmung mittels Schattenmessung
Durch die Analyse des Schattens, den die Gletscherklippe auf das Wasser wirft, schätzte Pelto die Höhe der Front im Mai 2026 auf 30–40 Meter (100–130 Fuß) über der Seeoberfläche. Solche Berechnungen nutzen die bekannte Sonnenposition zum Zeitpunkt der Aufnahme und ergänzen die satellitengestützten Beobachtungen.
Prognosen fĂĽr die weitere Entwicklung
Pelto erwartet, dass die stark gerissene Front weiterhin zahlreiche kleine Eisberge abspalten wird. Er weist darauf hin, dass im kommenden Herbst ein erneuter Anstieg der Eisbergproduktion zu erwarten sei, wenn die Rissstruktur unverändert bleibt.
Bedeutung fĂĽr die wissenschaftliche Forschung
Die Kombination aus astronautischen Fotos, Satellitendaten und Feldmessungen liefert wichtige Informationen über die Dynamik von See‑terminierenden Gletschern in Patagonien. Da viele dieser Regionen schwer zu erreichen sind, ermöglichen solche Fernerkundungsdaten ein besseres Verständnis des globalen Klimawandels und seiner Auswirkungen auf die Gletschermasse.
Dieser Bericht basiert auf Informationen von NASA, lizenziert unter Public Domain (U.S. Government Work).
Ende der Ăśbertragung