Großveranstaltungen unter biometrischer Kontrolle
Im Mai 2024 wurden bei einem kostenlosen Konzert von Madonna an der Copacabana in Rio de Janeiro mehr als 1,5 Millionen Besucher von Kameras, Drohnen und Gesichtserkennungssystemen erfasst. Die Dokumentation stammt von der Organisation Derechos Digitales, die das Vorgehen im Rahmen eines Berichts für den Sonderberichterstatter der Interamerikanischen Menschenrechtskommission festhielt. Parallel dazu überwachte die Militärpolizei von Rio de Janeiro die sozialen Medien der Besucher ohne klare Rechtsgrundlage.
Wiederholte Muster bei weiteren Konzerten
Ein Jahr später, als Lady Gaga ein weiteres kostenloses Konzert an derselben Küste ankündigte, wurden 18 Sicherheitskontrollen mit Gesichtserkennung, ein biometrischer Perimeter und fast 2 000 potenzielle Scans eingerichtet. Ähnliche Bedingungen galten für ein Konzert von Shakira, bei dem tausende Agenten, Drohnen und Kameras an das städtische Leitstandssystem angeschlossen wurden. In allen Fällen wurden die Besucher nicht aktiv um Einwilligung gebeten.
Biometrische Zahlung im öffentlichen Nahverkehr
Im Jahr 2025 kündigte das Verkehrsministerium von Chile ein Pilotprojekt an, das die Gesichtserkennung als Zahlungsmittel im öffentlichen Nahverkehr einsetzt. Das Verfahren sollte freiwillig sein, jedoch würde es die biometrische Identität dauerhaft mit den täglichen Bewegungen der Nutzer verknüpfen. Die zugehörige Änderung des chilenischen Datenschutzgesetzes tritt erst Ende 2026 in Kraft, ohne dass eine Aufsichtsbehörde eingerichtet wurde.
Fußballstadien als neue Einsatzfläche
In Brasilien ist seit kurzem die Gesichtserkennung für den Eintritt in Fußballstadien mit einer Kapazität von mindestens 20 000 Plätzen verpflichtend. Die Nationale Datenschutzbehörde (ANPD) hat daraufhin Untersuchungen bei 23 Vereinen eingeleitet, nachdem Unregelmäßigkeiten festgestellt wurden. Fehlidentifikationen führten bereits zu Festnahmen, die überwiegend schwarze Personen betrafen.
Auswirkungen auf benachteiligte Gruppen
Mehrere zivilgesellschaftliche Organisationen in Rio de Janeiro warnen, dass die Überwachungssysteme bestehende Kriminalisierungstendenzen gegenüber armen und afro‑abstammenden Bürgern verstärken. Die Kombination aus Kameras, Drohnen, Gesichtserkennung und Online‑Monitoring schafft ein umfassendes Überwachungssystem, das nicht alle Bürger gleichermaßen betrifft.
Reaktionen und mögliche Gegenmaßnahmen
Derechos Digitales fordert Transparenz, Audits und klare Beschränkungen für biometrische Systeme. Die Organisation empfiehlt, Fragen nach Verantwortlichkeit, Entscheidungsfindung und öffentlicher Beteiligung zu stellen, bevor neue Technologien eingeführt werden. Sie betont, dass das Hinterfragen von Überwachung ein notwendiger Schritt sei, um die Landschaft öffentlicher Räume zu verändern.
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