Sonstige: UK‑Hilfekürzungen gefährden Gesundheit in Krisenländern – Experten fordern gerechte Finanzierungsmodelle
Das Vereinigte Königreich hat im vergangenen Jahr den Anteil seiner Entwicklungshilfe von 0,5 % auf 0,3 % des Bruttoinlandsprodukts gesenkt. Laut Angaben von Action for Global Health führt die Kürzung zu gravierenden Versorgungslücken in den Gesundheitssystemen von Südsudan, Bangladesch, Jemen und Afghanistan. Fachleute fordern nun gerechte Finanzierungsansätze, um die entstandenen Schäden zu reparieren.
Hintergrund der Kürzungen
Die Entscheidung, das Hilfsbudget weiter zu reduzieren, wurde ein Jahr nach einer ersten Kürzung im Jahr 2021 getroffen. Die britische Regierung begründete den Schritt mit Haushaltszwängen, während frühere Studien gezeigt haben, dass abrupte Mittelentzüge zu geschlossenen Kliniken, leeren Medikamentenschränken und steigenden Krankheitsraten führen.
Auswirkungen in Südsudan
In Südsudan führte die Reduktion 2021 dazu, dass rund 200 Gesundheitseinrichtungen, darunter mehrere Großkrankenhäuser, keine finanzielle Unterstützung mehr erhielten. Viele Kliniken mussten schließen, das Personal blieb unbezahlt und die Bevölkerung verlor den Zugang zu grundlegender medizinischer Versorgung.
Krise in den Rohingya-Lagern
In den Rohingya‑Flüchtlingslagern in Bangladesch haben chronische Unterfinanzierung und die Kürzungen zu geringeren Nahrungsrationen und Medikamentenknappheit geführt. Die Rate akuter schwerer Unterernährung bei Kindern stieg innerhalb eines Jahres um 27 % (Februar 2024‑2025), während Gesundheits‑ und Wasserdienste an ihre Belastungsgrenzen stoßen.
Situation in Jemen und Afghanistan
In Jemen, wo jahrelanger Konflikt das Gesundheitssystem überlastet, melden von Ärzte ohne Grenzen unterstützte Aufnahmezentren Belegungsraten von bis zu 200 % während der Hochphase der Unterernährung. In Afghanistan operieren pädiatrische und neonatale Intensivstationen weit über ihrer Kapazität, weil Familien die Kosten für Behandlung nicht mehr tragen können.
Globale Gesundheitsrisiken
Die Schwächung der Gesundheitssysteme hat laut Experten Auswirkungen über die Landesgrenzen hinaus: Krankheitsausbrüche verbreiten sich schneller, die antimikrobielle Resistenz nimmt zu und klimabedingte Schocks entwickeln sich zu medizinischen Notlagen.
Forderungen für gerechte Finanzierung
Analysen zeigen, dass die 16 am stärksten von Nahrungsmittelkrisen betroffenen Länder durchschnittlich das 1,9‑fache ihrer Gesundheitsausgaben für externe Schuldentilgungen aufwenden. Experten fordern daher Schuldumstrukturierungen, Debt‑for‑Health‑Swaps und eine Reform des internationalen Steuersystems, um Länder zu befähigen, mehr in Gesundheit und Ernährung zu investieren.
Empfehlungen für das Vereinigte Königreich
Fachleute betonen, dass das Vereinigte Königreich langfristige, vorhersehbare Hilfen bereitstellen muss, die flexibel und lokal geführt werden. Ein Ansatz, der betroffene Gemeinschaften einbezieht, Ungleichheiten reduziert und die am stärksten gefährdeten Personen zuerst berücksichtigt, könne die Resilienz der Gesundheitssysteme stärken.
Ausblick
Das Vereinigte Königreich steht vor der Wahl, den Rückzug aus der globalen Gesundheitsförderung fortzusetzen oder durch gerechte, solidarische Finanzierungsmodelle die entstandenen Schäden zu reparieren. Die Entscheidung wird die Zukunft von Millionen Menschen in prekären Krisenregionen bestimmen.
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