USA: Studie zu Mehrlingsgeburten im Vereinigten Königreich während COVID‑19
Hintergrund
Eine im Juli bis November 2021 durchgeführte Online‑Umfrage untersuchte, welche Faktoren mit Mehrlingsgeburten im Vereinigten Königreich während der COVID‑19‑Pandemie zusammenhängen. Ziel war es, Unterschiede zu Singleton‑Geburten zu identifizieren, insbesondere im Hinblick auf obstetrische Risiken und Stillpraktiken.
Methodik
Der Querschnittsbefragung wurden Frauen bis zu sechs Monate nach der Geburt zugänglich gemacht. Erfasst wurden soziodemografische Daten, geburtsspezifische Merkmale, COVID‑19‑bezogene Umstände sowie Informationen zu Säuglingsernährung und Unterstützungsangeboten. Anschließend wurden deskriptive Statistiken, bivariate Analysen und multivariate logistische Regressionsmodelle berechnet.
Stichprobe
Insgesamt nahmen 858 Frauen an der Studie teil, davon hatten 53 Frauen Mehrlingsgeburten. Die übrigen 805 Frauen berichteten über Singleton‑Geburten. Alle Teilnehmenden waren im Vereinigten Königreich ansässig und befanden sich zum Befragungszeitpunkt im frühen Wochenbett.
Ergebnisse
Die bivariate Analyse zeigte keinen Zusammenhang zwischen sozioökonomischen oder COVID‑19‑bezogenen Faktoren und Mehrlingsgeburten. Jedoch waren Frühgeburt, Aufnahme auf die Neonatale Intensivstation, niedriges Geburtsgewicht, Kaiserschnitt, postpartale Depression, Verwendung von Säuglingsformel, fehlende Unterstützung beim Stillen sowie Unterstützung durch Online‑Gruppen signifikant häufiger bei Mehrlingsgeburten.
Multivariate Analyse
In der multivariaten logistischen Regression waren vier Variablen signifikant mit Mehrlingsgeburten assoziiert: Verwendung von Säuglingsformel (adjustiertes Odds Ratio = 6,17; 95 %‑KI 2,29–16,57), Frühgeburt (AOR = 5,83; 95 %‑KI 1,99–17,11), Kaiserschnitt (AOR = 2,97; 95 %‑KI 1,27–6,97) sowie ein Geburtsgewicht unter 2,5 kg (AOR = 13,16; 95 %‑KI 4,31–40,20). Ein Geburtsgewicht über 3,5 kg war mit einem verringerten Risiko verbunden (AOR = 0,11; 95 %‑KI 0,02–0,51).
Diskussion
Die Resultate deuten darauf hin, dass Frauen mit Mehrlingsgeburten im untersuchten Zeitraum höhere obstetrische Risiken und eine stärkere Neigung zur Formelmilchnutzung aufwiesen. Die fehlende Assoziation mit sozioökonomischen und pandemiebezogenen Faktoren legt nahe, dass die beobachteten Unterschiede primär durch geburtsspezifische Bedingungen bedingt sind.
Implikationen
Die Autoren betonen die Notwendigkeit, spezialisierte Laktationsberaterinnen in die Nachsorge von Mehrlingseltern zu integrieren und Remote‑Unterstützungsangebote auszubauen, um die Formelmilchnutzung zu reduzieren und die Stillrate zu erhöhen.
Einschränkungen
Die Studie beruht auf selbstberichteten Daten, was ein Risiko für Recall‑Bias birgt. Zudem ist die Stichprobe auf Frauen beschränkt, die online erreichbar waren, wodurch mögliche Selektionsverzerrungen entstehen können.
Fazit
Mehrlingsgeburten im Vereinigten Königreich während der COVID‑19‑Pandemie waren mit erhöhten Risiken für Frühgeburt, Kaiserschnitt und niedriges Geburtsgewicht sowie einer höheren Wahrscheinlichkeit der Formelmilchnutzung verbunden. Diese Erkenntnisse unterstützen die Empfehlung, gezielte lactation‑spezifische Unterstützung und digitale Hilfsangebote auszubauen.Dieser Bericht basiert auf Informationen von PLOS ONE, lizenziert unter Creative Commons BY 4.0 (Open Access). Wissenschaftliche Inhalte, offen zugänglich.
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