Eine aktuelle Studie hat das Auftreten von verzögerter Magenentleerung und gastroösophagealem Reflux in Zusammenhang mit Medikamenten anhand von über 58 Millionen Meldungen des FDA Adverse Event Reporting System (FAERS) untersucht. Die Analyse erstreckte sich über den Zeitraum von 2004 bis 2025 und wurde zusätzlich mit Daten der Canada Vigilance Adverse Reaction Online Database (CVARD) abgeglichen.
Hintergrund
Verzögerte Magenentleerung und Reflux gelten als häufig übersehene Komplikationen bei hospitalisierten Patienten, insbesondere bei gleichzeitiger Einnahme mehrerer Arzneimittel. Bisher war das Spektrum der einzelnen Wirkstoffe, die diese Nebenwirkungen auslösen können, nur unzureichend beschrieben.
Methodik
Die Forscher führten eine disproportionale Analyse mit den statistischen Verfahren Reporting Odds Ratio (ROR), Proportional Reporting Ratio (PRR) und Bayesian Confidence Propagation Neural Network (BCPNN) durch. Zusätzlich wurde eine Weibull‑Zeit‑bis‑Eintreten‑Analyse eingesetzt, um die zeitlichen Muster des Auftretens zu charakterisieren.
Ergebnisse
Von den 50 am stärksten geprüften Wirkstoffen zeigten 20 in allen drei Algorithmen positive Signale. Glucagon‑like‑Peptide‑1‑Rezeptor‑Agonisten (GLP‑1‑Agonisten) standen an erster Stelle, wobei Semaglutid das höchste ROR von 80,27 (95 % CI 76,39–84,34) erreichte. Die Validierung in der CVARD bestätigte das Signal mit einem ROR von 54,17. Weitere Wirkstoffe mit signifikanten Signalen waren Insulin‑Formulierungen (insbesondere Insulin degludec, ROR 18,90), Bisphosphonate, Angiotensin‑Rezeptor‑Blocker und Trofinetid.
Zeitliche Muster
Die Weibull‑Analyse zeigte unterschiedliche Auftretenszeiten. Trofinetid war mit einer medianen Zeit bis zum Auftreten von 6,6 Tagen ein Früh‑Onset‑Signal, während Immunglobulin G mit einer medianen Zeit von 535,1 Tagen ein Spät‑Onset‑Signal darstellte.
Implikationen fĂĽr die klinische Praxis
Die Ergebnisse liefern eine evidenzbasierte Prioritätenliste für die Pharmakovigilanz. Ärzte und Apotheker können die identifizierten Wirkstoffe gezielt beobachten und bei Bedarf alternative Therapien wählen, um das Risiko für gastrointestinale Motilitätsstörungen zu reduzieren.
Schlussfolgerungen
Die Studie dokumentiert ein breites Spektrum an Medikamenten, die mit verzögerter Magenentleerung und Reflux assoziiert sind, und verdeutlicht deren unterschiedliche zeitliche Auftretensprofile. Diese Erkenntnisse unterstützen eine verbesserte Überwachung und Entscheidungsfindung im klinischen Alltag.
Dieser Bericht basiert auf Informationen von PLOS ONE, lizenziert unter Creative Commons BY 4.0 (Open Access).
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