Eine qualitative Studie hat die Umsetzung, Überwachung und Durchsetzung von Tabakwerbe- und Promotionsverboten (TAPS) am Verkaufsort in Äthiopien untersucht. Dabei wurden zwischen Dezember 2022 und Januar 2023 insgesamt 41 Schlüsselakteure aus zehn ausgewählten Städten interviewt. Die Befragten stammten aus Regierungsbehörden, zivilgesellschaftlichen Organisationen und internationalen Partnern.
Methodik
Die Auswahl der Interviewpartner erfolgte gezielt, um Vertreter von Ministerien, regionalen Gesundheits- und Handelsbehörden, Regulierungsstellen, Forschungseinrichtungen, der WHO‑Ethiopia, Berufsverbänden und Nichtregierungsorganisationen abzudecken. Die halbstrukturierten Leitfäden wurden in lokalen Sprachen durchgeführt, audio‑aufgezeichnet, transkribiert, ins Englische übersetzt und anschließend thematisch mit ATLAS.ti ausgewertet.
Fördernde Faktoren
Als zentrale Erfolgsfaktoren nannten die Befragten das umfassende Gesetz zur Tabakkontrolle (Proklamation Nr. 1112/2019), ein starkes politisches Commitment auf Bundesebene sowie das nationale Tabakkontrollkomitee (NTCC). Diese Elemente schufen ein klares rechtliches Fundament und ermöglichten koordinierte Maßnahmen.
Hemmende Faktoren
Gegen die Umsetzung wirkten mehrere Barrieren. Auf struktureller Ebene fehlten in vielen Regionen eigene Strukturen der Ethiopian Food and Drug Authority (EFDA) und es gab keine regional angepassten Tabakkontrollgesetze. Zudem mangelte es an spezialisierten Tabakkontrollabteilungen, klaren Durchsetzungsmandaten und ausreichenden finanziellen Ressourcen. Auf operativer Ebene wurde die Durchsetzung nicht als Priorität angesehen, das Bewusstsein in nicht‑gesundheitsbezogenen Behörden und bei Einzelhändlern war gering, und die Tabakindustrie übte Einfluss aus. In einigen Gebieten normalisierte eine kulturelle Akzeptanz des Tabakkonsums die Praxis weiter.
Schlussfolgerungen
Die Studie zeigt, dass ein starkes gesetzliches Verbot und ein zentrales Koordinationsgremium die Grundlagen für die Umsetzung bilden, die tatsächliche Durchsetzung jedoch durch strukturelle, operative und sozio‑kulturelle Hindernisse eingeschränkt wird. Empfehlungen umfassen die Stärkung regionaler Rechtsvorschriften, den Aufbau klarer institutioneller Rahmenbedingungen, die Sensibilisierung aller relevanten Akteure für die Strategien der Tabakindustrie sowie die Bereitstellung von Personal und Finanzmitteln, insbesondere in Regionen mit hoher Prävalenz illegaler Tabakprodukte.
Dieser Bericht basiert auf Informationen von PLOS ONE, lizenziert unter Creative Commons BY 4.0 (Open Access). Wissenschaftliche Inhalte, offen zugänglich.
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