Der UN-Menschenrechtschef Volker Türk hat in Genf dringende Maßnahmen zur Reparationsgerechtigkeit gefordert, weil das Erbe von Sklaverei und Kolonialismus weiterhin Diskriminierung und Ungleichheit verursache.
Hintergrund des Dialogs
Im Rahmen eines hochrangigen Dialogs über Reparationsgerechtigkeit in Genf beschrieb Türk das transatlantische Sklavenhandelssystem als ein organisiertes Herrschaftsmodell, das über Jahrhunderte hinweg Millionen von Afrikanern zu Waren machte.
Auswirkungen des Erbes
Er betonte, dass die Folgen dieses Erbes heute noch die Verteilung von Chancen, Sicherheit und Macht bestimmen. In einigen Regionen sei die Polizei mehrere Male häufiger gewaltsam gegen Menschen afrikanischer Herkunft vorgegangen, und diese Gruppe sei überproportional in Gefängnissen vertreten.
Technologische Risiken
Türk warnte zudem, dass künstliche Intelligenz und andere Technologien bestehende Vorurteile verstärken könnten, wenn sie nicht gezielt reguliert würden.
Umfang der Reparationsmaßnahmen
Laut Türk gehe Reparationsgerechtigkeit über finanzielle Entschädigungen hinaus. Sie solle die Aufarbeitung der Vergangenheit, offizielle Entschuldigungen, Gedenkstätten, die Rückgabe von Kulturgütern, Bildungsinitiativen sowie medizinische und psychosoziale Unterstützung für von intergenerationaler Traumatisierung betroffene Personen umfassen.
Bisherige Fortschritte und Forderungen
Das UN-Menschenrechtsbüro hat Erklärungen veröffentlicht, die Staaten konkrete Handlungsempfehlungen geben. Bisher habe jedoch kein Staat die historischen Schäden vollständig aufgearbeitet, und weniger als ein Viertel der Länder verfüge über umfassende Antidiskriminierungsgesetze.
Ausblick
Türk forderte stärkere Umsetzung bestehender Gesetze, gezielte Investitionen in Gesundheit, Wohnen, Bildung und Arbeit sowie die zentrale Einbeziehung von Frauen afrikanischer Herkunft in alle Reparaturbemühungen. Er sprach sich zudem für Reformen der internationalen Finanzarchitektur aus, um die Schuldenlast zu mindern und die Teilhabe afrikanischer Staaten an globalen Entscheidungen zu stärken. Abschließend erklärte er: „Ein Kind, das 2026 geboren wird, sollte nicht die Last jahrhundertelanger Rassendiskriminierung tragen.“
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