UN: UN‑Mission warnt vor wachsender Angst, Verschwinden und Inhaftierung von Zivilisten im Sudan
Ein Bericht der unabhängigen internationalen Faktenfindungsmission für den Sudan, vorgelegt an die 62. Sitzung des UN‑Menschenrechtsrates in Genf, weist darauf hin, dass Zivilisten im vierten Kriegsjahr des Sudan-Konflikts zunehmend von Angst, erzwungenem Verschwinden und willkürlicher Inhaftierung betroffen sind. Die Mitteilung stammt vom 15. Juni 2026 und fasst Beobachtungen beider Kriegsparteien zusammen.
Kontrolle durch die Konfliktparteien
Die sudanesischen Streitkräfte (SAF) und die Rapid‑Support‑Forces (RSF) sowie deren Verbündete versuchen, die betroffene Bevölkerung stärker zu kontrollieren. „Zivilisten tragen die überwältigende Last dieses Konflikts“, erklärte Missionsvorsitzender Mohamed Chande Othman und betonte, dass die Gewalt sich zu einem breiten Repressionssystem ausgeweitet habe, das fast alle Lebensbereiche erfasst.
Einschränkung der Bewegungsfreiheit
Nach Angaben von Expertin Joy Ngozi Ezeilo werden Zivilisten an Checkpoints angehalten, ohne rechtliche Grundlage festgehalten und häufig beschuldigt, die gegnerische Seite zu unterstĂĽtzen. Personen, die zwischen von den Parteien kontrollierten Gebieten reisen, riskieren Verhaftung, Misshandlung und erzwungenes Verschwinden. Betroffen seien Journalist, humanitäre Arbeiter, Händler, GemeindeÂfĂĽhrer und gewöhnliche BĂĽrger, die sichere Gebiete oder ihre Existenzgrundlage suchen.
Erpressung und finanzielle Belastungen
Die Mission dokumentierte Fälle, in denen Familien zur Zahlung erheblicher Summen gezwungen wurden, um die Freilassung inhaftierter Angehöriger zu sichern. In einzelnen Fällen wurden Beträge von rund 40.000 US‑Dollar gefordert – ein Betrag, der für von Konflikt und Vertreibung stark belastete Haushalte kaum zu stemmen sei. Diese Erpressungen beeinträchtigen zudem die lokalen Wirtschaften, insbesondere in El Fasher, El Obeid, Dilling und Kadugli, wo Händler beim Grenzübertritt vermehrt Gefahr laufen, festgenommen oder entführt zu werden.
Verschwinden von humanitären Arbeitern
Besondere Sorge erregt das Verschwinden von mindestens 70 Personen, darunter humanitäre Arbeiter, die im Mai 2026 in El Geneina festgenommen wurden und seitdem nicht mehr gehört wurden. Expertin Mona Rishmawi betonte, dass das Schweigen über das Schicksal der Betroffenen Familien in Unsicherheit zurücklasse und die humanitären Hilfsleistungen insgesamt schwäche.
Gefährliche Haftbedingungen
Nach Angaben der Mission herrschen in den Haftanstalten beider Parteien schwerwiegende Missstände: Überfüllung, unzureichende Nahrung und Wasser, mangelhafte Sanitärversorgung sowie limitierter Zugang zu medizinischer Versorgung. In Einrichtungen wie dem Nyala‑Gefängnis in Süddarfur sollen Krankheitsausbrüche, darunter Cholera, auftreten. Ehemalige Häftlinge berichteten von körperlicher Misshandlung, Elektroschocks, sexueller Gewalt und langanhaltender Isolation.
Appell an die Konfliktparteien
Die Mission forderte alle Parteien auf, sofort willkürliche Verhaftungen und Inhaftierungen zu beenden, Personen ohne rechtliche Grundlage freizulassen und den Verbleib aller Haftenden offen zu legen. Weiterhin wird ein unabhängiger Zugang zu den Haftanstalten verlangt sowie verstärkte internationale Anstrengungen, um Verantwortlichkeit sicherzustellen. Ohne entsprechende Maßnahmen bestünde die Gefahr, dass sich die Muster von Missbrauch weiter verfestigen und die Zivilbevölkerung dauerhaft in Angst und Unsicherheit leben müsse.
Dieser Bericht basiert auf Informationen von Vereinte Nationen, lizenziert unter Public Data / Terms of Use (Attribution Required). Quelle unterliegt den Nutzungsbedingungen der jeweiligen internationalen Organisation.
Ende der Uebertragung