Sonstige: UN-Sicherheitsrat warnt vor wachsender humanitärer Krise in Afghanistan
Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen hat am Montag eine dringende Warnung ausgesprochen: Trotz einer relativen Stabilität unter den de-facto-Behörden verschärfen sich die humanitären Bedingungen, die Beschränkungen für Frauen und Mädchen nehmen zu und wirtschaftliche Belastungen drohen die Zukunft des Landes zu destabilisieren.
Kontrolle der de-facto-Behörden
Georgette Gagnon, stellvertretende Sonderbeauftragte der UN und Leiterin der Mission UNAMA, berichtete, dass die de-facto-Behörden ihre territoriale und administrative Kontrolle konsolidiert haben und derzeit keiner bedeutenden bewaffneten oder politischen Herausforderung gegenüberstehen. Sie warnte jedoch, dass diese scheinbare Stabilität tiefere Risiken verbirgt, da die Behörden ihre Macht ohne klares Endziel ausbauen. Laut Gagnon kehrten seit 2023 fast 5,9 Millionen Afghane zurück, und bis zu 2,8 Millionen könnten im laufenden Jahr erneut einreisen, obwohl die Möglichkeiten begrenzt sind und die Gemeinden unter Druck stehen.
Einschränkungen für Frauen und Mädchen
Die Vertreterin der Zivilgesellschaft, Metra Mehran, schilderte ein System institutionalisierter Diskriminierung, das seit August 2021 über 230 Dekrete umfasst. Sie betonte, dass rund 3,8 Millionen Mädchen im Alter von sieben bis achtzehn Jahren nicht zur Schule gehen und jährlich etwa 250 000 Mädchen dauerhaft vom weiterführenden Bildungsweg ausgeschlossen werden – ein Verlust an Talent und Potenzial. Die anhaltenden Beschränkungen für Frauen behindern zudem die Gesundheits- und Bildungssektoren und erschweren die Arbeit von weiblichen UN-Mitarbeitern.
Humanitäre Lage
Edem Wosornu, Direktor der Krisenreaktionsabteilung von OCHA, wies darauf hin, dass Afghanistan weiterhin zu den größten und komplexesten humanitären Krisen der Welt gehört, wobei 21,9 Millionen Menschen im Jahr 2026 Hilfe benötigen. Fast die Hälfte des Landes sei auf Unterstützung angewiesen. Er berichtete, dass erneute Kämpfe entlang der afghanisch-pakistanischen Grenze mehr als 100 000 Menschen vertrieben haben und zahlreiche Gemeinden wochenlang vom Hilfszugang abgeschnitten waren. Derzeit leiden 4,7 Millionen Menschen an schwerer Nahrungsmittelunsicherheit – ein Anstieg um 50 % im Vergleich zum Vorjahr – und 3,7 Millionen Kinder leiden an akuter Unterernährung.
Zivilgesellschaftliche Perspektive
Mehran kritisierte die Kriminalisierung von Frauenstimmen und -gesichtern durch ein kürzlich eingeführtes Strafprozessgesetz, das Diskriminierung festschreibe und Gewalt gegen Frauen legitimiere. Sie betonte, dass Männer de‑facto die Kontrolle über ihre Ehepartner ausüben und dass Frauen, die sich den Beschränkungen widersetzen, mit Verhaftungen, Gewalt und Einschüchterungen konfrontiert werden. Mehran forderte die internationalen Institutionen auf, ihren rechtlichen Verpflichtungen nach internationalem Recht nachzukommen.
Ausblick und internationale Verantwortung
Gagnon unterstrich die Notwendigkeit einer fortgesetzten und beständigen Dialogbereitschaft, selbst wenn Fortschritte nur schrittweise erzielt werden. Sie forderte ein prinzipientreues und pragmatisches Engagement, um die humanitäre Lage zu lindern und die Rechte von Frauen und Mädchen zu schützen. Der Sicherheitsrat betonte, dass ein koordiniertes internationales Handeln entscheidend sei, um die wachsende Krise zu bewältigen.
Dieser Bericht basiert auf Informationen von Vereinte Nationen, lizenziert unter Public Data / Terms of Use (Attribution Required). Quelle unterliegt den Nutzungsbedingungen der jeweiligen internationalen Organisation.
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